5.7 Autismus bei Erwachsenen: Warum Masking so erschöpfend sein kann

Shownotes

Psychische Belastung Symptome früh erkennen ➜ 10 Warnzeichen von Burnout bis Depression ✓ Tipps vom Psychotherapeuten Severin Stefenelli

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Stimming (Psychologie) – Wikipedia

Die 5-4-3-2-1-Methode: Wenn du dich ängstlich fühlst - Universität Graz

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00:00:03:

00:00:11: Hallo beim Losleben Stories Podcast!

00:00:15: Manchmal fühlen wir uns wie Aliens auf einem fremden Planeten.

00:00:19: Alles ist zu laut, zu hell und zu viel.

00:00:22: Immer mehr Erwachsene entdecken dass sie im Autismus-Spektrum liegen.

00:00:27: Wir ordnen das heute ein mit Severin Steffanelli, sicherer Arbeit in Wien.

00:00:32: Viele denken bei Autismus an Klischees.

00:00:35: Wie äußert sich das Spektrum aber bei Erwachsenen, die gelernt haben, sich anzupassen und von diesem sogenannten Masking also der Maskierung vollkommen erschöpft sind?

00:00:46: Das Bild von Artismus ist leider noch mit vielen und auch hartnäckigen Klischees vor allem auch Vorurteilen behaftet.

00:00:52: Also da denken wir gerade so in Richtung dass Menschen auf dem Artismus speichern nicht zur Saal sein können oder wollen wobei es nicht stimmt sie gefühlsam sind oder keine Empathie haben Was auch nicht stimmt, sondern wo einfach Gefühle anders oder teils weniger stark ausgedrückt werden.

00:01:07: Dass Eltern durch ihre Erziehung dran Schuld seien oder dass sie hoch begabt oder intellektuell beeinträchtig sind.

00:01:15: Wobei es da auch so wie bei allen Menschen kein einheitliches Intelligenzniveau gibt.

00:01:21: Oder auch und das ich glaube ich das weitverbreiteste, dass man den Autismus klar von außen erkennen muss zum Beispiel durch seriotypes Verhaltensweisen ist auch ein Vorurteil.

00:01:32: Unter diesem Masking oder diesem auch Camouflaging versteht man eben diese Anpassung an Neurotypesverhalten, also der gesellschaftlichen Norm entsprechendes Verhalten.

00:01:42: Man weiß auch immer das bedeutet.

00:01:44: Das könnte man diskutieren aber im Bezug auf das Verständnis sozialer Regeln in Form von Anpassungen an soziale Erwartungen sowie nonverbale Kommunikation, also Körpersprache, Mimigästik und kontextabhängige Kommunikations wie beispielsweise Ironie- oder Smalltalk.

00:02:03: Das Messgeng zeigt sich zum Beispiel in sozialen Interaktionen, wo kognitive Strategien also Sich auf ein Gespräch vorbereiten Strategien entwickeln dabei helfen erlernt statt intuitiv im Beziehung zu treten.

00:02:18: Also wenn ich dich richtig verstehe heißt das dass so Gespräche Im Vorfeld schon genau geplant werden wie sowas ablaufen kann und wie Ich mich dann auch zeige und reagiere.

00:02:29: stimmt das so?

00:02:30: Ja

00:02:30: das so kann man sich das vorstellen.

00:02:32: Wenn man sich da ein Stück weit hineinversetzt, kann man schon erkennen wie anstrengend das sein kann.

00:02:36: Wie fordernd es sein kann wenn man solche Gespräche eben wie wir es gerade besprochen haben berechnet oder auch überlegt wann ist Blickkontakt angemessen und wann nicht?

00:02:48: steuer ich den bewusst?

00:02:49: Oder gehe ich dann nach meinem Gefühl dass ich grad Blickkondakt halten möchte oder auch vermeiden möchte ganz gesund Und grade auch wenn's so um Smalltalk geht?

00:02:57: der kann oft so als ein bisschen sinnlos leer erlebt werden Und auch fraglich und daher sehr anstrengend erlebt werden.

00:03:06: Gleichzeitig besteht auch so eine sensorische Überlastung unter diesem Camouflaging durch das Aushalten von Situationen oder von Reizen,

00:03:13: d.h.,

00:03:14: dass nicht verlassen dürfen zum Beispiel der U-Bahnstation wenn die U-bahn einfährt und das Geräusch zu laut ist sondern weil man in einer Gruppe dabei ist und eben nicht auffallen möchte und dieses eben kompensiert durch dieses Masking.

00:03:27: Das kann auch Gerüche oder Geräusche lichter sowie du es eher auch in der Eingangsfrage formuliert hast, treffen.

00:03:35: Und gleichzeitig hat dieses Masken natürlich auch einen Einfluss auf das eigene Identitätserleben wenn man noch ohne diese Anpassung ist welche Gefühle oder Bedürfnisse man hat wie die befriedigt werden.

00:03:47: gerade bei Autismus erleben wir in nicht unrelevanter Auftrittswahrscheinlichkeit eine gewisse Alexitomie, also eine bestehende Schwierigkeit Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken oder auch selbst wahrzunehmen.

00:04:01: Und das kann wahnsinnig anstrengend sein, auch erschöpfend sein bis hin zu einem Autistik-Burnout laufen wo das eben nicht auf klassischen Stress allein basiert sondern eben durch diese chronische Diskrepanz zwischen inneren Malheben und äußerem Verhalten mit verursacht durch das Masking.

00:04:20: Autismus ist ja auch, wenn das viele glauben mögen keine Krankheit sondern eine Neurodivergenz.

00:04:26: Was bedeutet es eigentlich genau für die Reizverarbeitung im Gehirn anders verdrahtet zu sein?

00:04:35: Also die Ursachen sind hochkomplex und auch multifaktoriell.

00:04:38: Das ist jetzt so einfach nicht zu definieren aber ich versuch's mal.

00:04:43: also vereinfacht könnte man sagen dass bei Menschen mit Autismus eben eine Divergence also eine Abweichung in mehreren Farben Verarbeitungsschritten im Gehirn besteht, wie zum Beispiel der Sinnesaufnahme bis hin zur Bedeutung oder Bewertung dieser und auch der Reaktion darauf.

00:05:02: Man spricht ja von beispielsweise einer Reizfilterschwäche oder einem weniger effizienten sensorischen Gating also die eingeschränkte Fähigkeit das Unwichtige auszublenden.

00:05:13: so kann zum Beispiel das Summen des Kühlschrankes genauso relevant gewichtet werden als das Gespräch dass wir gerade in der Küche führen möchte.

00:05:21: Und auf der einen Seite gibt es eben diese Hyperreaktivität, also eine sensorische Überempfindlichkeit.

00:05:27: Auf der anderen Seite aber auch eine Hypo-Reaktivitet oder Hypo Sensibilität – eine Unterempfindigkeit gegenüber dieser Reize.

00:05:36: und das können bei der Hyperreactivität Geräusche-, Lichterberührungen Seien die intensiver, ungefilterter oder anders strukturiert und länger komplexer verarbeitet werden und dementsprechend auch wahrgenommen werden.

00:05:48: Und auch teilweise als schmerzhaft beschrieben werden.

00:05:51: Oder Reize werden weniger stark wahrgenommen wie beispielsweise Kälte oder auch körperliche Empfinden, die dann oft über stärkere Impulse zu einer Bedürfnisbefriedigung... Also stärkeren Impulse werden da herbeigeführt oder benötigt um auf eine Bedürfsbefriedigung zu kommen strenge Gerüche, Nahrungsmittel mit intensiven Geschmack oder auch Texturen.

00:06:12: Das Erzeugen von schnellen Bewegungen oder auch das Intensive Berühren von Oberflächen- oder Gegenständen.

00:06:19: Vielleicht ein Erklärungsansatz der das Ganze noch so in dem Ganzen eine Farbe gibt ist das Predictive Processing.

00:06:26: Das ist so ein moderner Erklärungssatz.

00:06:28: Da besagt es unser Gehirn auf Basis unserer biopsychosozialen Vorfahren also unsere Geschichte die Umwelt mit Vorhersagen interpretiert und dabei sensorische Eingaben mit den inneren Erwartungen vergleicht.

00:06:41: Bei Menschen mit Autismus-Spektrum sind diese vorherrsagen Modelle oft schwächer ausgeprickt oder weniger star, während sensorische Angaben eine höhere Gewichtung erhalten.

00:06:53: Das heißt für autistischen Menschen könnte die Welt weniger vorhersehbar sein, Reize könnten stets stärker neu berechnet werden müssen und die dadurch entstehende kognitive Last könnte schneller zur Überförderung führen.

00:07:05: Okay, das klingt tatsächlich sehr komplex.

00:07:08: Vor allen Dingen also für jetzt mich als wahrscheinlich neurotypischen Menschen sich das vorzustellen, vor allen Dingen manche Reize können gewichtiger sein andere sind wieder schwächer ausgeprägt.

00:07:19: Also es ist tatsächlich schwierig merke ich an mir selber mich wirklich da hinein zu fühlen in einen menschen der im autismus spektrum ist Wenn ich jetzt betroffen bin von diesem dass mir Eigentlich viele Reize schnell zu viel werden, wenn mir also die Welt zu laut wird und ich in diesem Overload bin.

00:07:41: Was hilft da eigentlich besser als die Zähne zusammenzupeißen?

00:07:44: Hast du ein Tipp für eine Übung oder für irgendwas was sich einfach mal ausprobieren kann?

00:07:50: Ja... Also zähn jetzt um Zusammenbeißen hilft hier meistens gar nicht.

00:07:55: im Gegenteil das kann sogar die Anspannung eher erhöhen.

00:07:58: Für Menschen auf dem Autismuspektrum können da unterschiedliche Tipps sehr hilfreich sein die akut Hilfe bieten.

00:08:04: Ein wichtiges ist natürlich das aktive Reizmanagement,

00:08:08: d.h.,

00:08:08: die Quelle der Reizüberflutung zu minimieren.

00:08:11: Das können wirklich sehr einfache Dinge sein wie wenn die Welt zu laut ist einen Gehörschutz oder Neusgänzeln in Kopfhörer zu verwenden, wenn Licht zu grell ist auch eine Sonnenbrille zu tragen – auch innerne im Büro oder sonstwo also generell das Aufsuchen eines sensorisch sicheren Raums.

00:08:29: Ich kann auch mal auf die Toilette gehen, wenn es mir zu viel wird.

00:08:32: Dann verdrück ich mich einfach für ein paar Minuten.

00:08:36: Ganz wichtig!

00:08:38: Das ist nicht verpönt wie bei Angststörungen zum Beispiel als Vermeidungstrategie sondern in ganz wichtiges Selbst-für-Sorgetool.

00:08:48: Gleichzeitig ist es okay Stimming zu erlauben.

00:08:50: Also Stimming sind wiederholte Bewegungen zuzulassen, die der Selbstregulation dienen.

00:08:55: das kann schaukeln sein Hände flattern summon oder drehen auch von Geräten.

00:09:02: Eine als Übung kann auch sehr gut helfen in Form von Achtsamkeits- oder Atemübungen, zum Beispiel die Fünf-, Vier-, Drei-, Zwei-Eins-Methode bei der man sich fünf Dinge laut nennt, die man sieht vier Dinge die man fühlt drei Dinge die Man hört zwei Dinge die Riecht eine Sache die Man schmeckt und dabei die Atmung vertieft versucht vertief zu verlangsamen.

00:09:26: Wie du schon vorher richtig gesagt hast, ist es wirklich wichtig dass es auch okay ist eine Situation zu verlassen oder diese zu verändern um sich selbst zu regulieren.

00:09:34: Gerade bei Menschen mit Autismus ist das kein Zeichen von Schwäche sondern eine Stärke und eine Kompetenz die Umwelt an ihre Gegebenheiten und auch an ihre Bedürfnisse anzupassen.

00:09:45: Gut wenn man das dann auch kann!

00:09:47: Das ist ja auch nicht immer gegeben.

00:09:50: Lieber Severin herzlichen Dank für diese wunderbare Folge.

00:09:55: Wenn Du dich oft reizüberflutet oder irgendwie anders fühlst.

00:10:00: Auf Losleben Stories findest du viele Beiträge rund um mentale Belastung und den Umgang mit Stress, dem Link gibt's in den Shownotes.

00:10:10: Danke fürs Zuhören!

00:10:11: Abonniert uns überall wo es Podcasts gibt.

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