5.6 Zwangsgedanken verstehen: Warum das Gehirn ständig Fehlalarme sendet

Shownotes

Psychische Belastung Symptome früh erkennen ➜ 10 Warnzeichen von Burnout bis Depression ✓ Tipps vom Psychotherapeuten Severin Stefenelli

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Psychische Belastung & Symptome: 10 Anzeichen im Mental Health Check

Burnout vermeiden » Stress erkennen & verhindern

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00:00:03: Hallo

00:00:12: beim Losleben Stories Podcast.

00:00:14: Heute sprechen wir über ein Tabu.

00:00:17: Viele Menschen werden nämlich von Gedanken gequält wie, was ist wenn ich jemandem weh tue?

00:00:21: Oder habe ich den Herd wirklich ausgemacht?

00:00:24: Es geht um Zwänge!

00:00:26: Zu Gast ist Severin Stefenelli, Psychotherapeut in Wien.

00:00:29: Hallo Severin.

00:00:30: Hallo Arndt, danke für die Einladung.

00:00:37: Was sind sogenannte intrusive Thoughts, also aufdringliche Gedanken?

00:00:42: Und wann werden sie zur Diagnose?

00:00:45: Aufdringliche Gedanken sind Gedanken Bilder oder auch Impulse die plötzlich und ungewollt auftreten.

00:00:51: Und eine unangenehme bis sehr unangnehme emotionale Reaktion auslösen können.

00:00:55: das tun Sie weil sie nicht unseren Werten wünschen Bedürfnissen oder auch Absichten entsprechen.

00:01:01: im Gegenteil wir sprechen hier von Ich-dystone Gedanken Also Gedanken, die zwar eine Person als eigene Gedanken wahrnimmt.

00:01:09: Aber als fremdstörend und nicht zu sich selbst seiner Persönlichkeit oder auch seinem Wertesystem zugehörig empfindet.

00:01:16: Das können eben Gedanken sein wie du sie vorher genannt hast, was wenn ich jemanden wehtun oder den Herd nicht ausgemacht habe und dadurch eine Katastrophe bedinge.

00:01:27: Diese Gedanken können sehr unungenehm und auch sehr intensiv sein und sind meist scham besetzt oder sehr schambesetzt und beängstigend.

00:01:34: Wichtig ist jedoch zu wissen, dass sie Gedanken oder die Inhalte dieser Gedanken eben nichts mit einem selbst- oder der Persönlichkeit zu tun haben.

00:01:42: Dass sie auch nicht bedeuten das man den Inhalt des Gedankens befürwortet... ...oder auch in ein Verhalten umsetzt!

00:01:49: Das es nichts mit dem Wertesystem und dem Moralkompass zu tun hat, den man selbst verinnerlicht hat kein schlechter, böse oder verrückter Mensch ist und das eben wie schon gesagt auch nicht ausführen wird.

00:02:00: solche Gedanken haben über neunzig Prozent aller Menschen und sind meistens auch in Ausdruck emotionaler Belastung, Stress, Überforderungen, Schlafmangel.

00:02:12: Diagnostisch relevant werden diese Gedanken wenn sie wiederkehrend aufdringlich uns sehr häufig entstehen starke emotionale Reaktionen auslösen also wie unter anderem Angst, Ekel oder Charme subjektiv schwer zu kontrollieren sind und einen starken Leidensdruck und eine Lebenseinschränkung auslösend.

00:02:29: dann sprechen wir von klinisch relevanten Zwangsgedanken.

00:02:33: Gleichzeitig besteht bei Zwangsstellungen oft der Versuch, ein dysfunktionaler also nicht hilfreicher Versuch solche Gedanken und die emotionale Reaktion durch Handlungen, durch Verhaltensweisen zu vermeiden oder zu entkräften.

00:02:46: Hier sprechen wir dann von Zwangshandlungen beispielsweise das zwanghafte Kontrollieren ob der Herd doch wirklich abgetreten ist das übermäßige Hände waschen oder auch wenn das Handy am Boden fällt, dass Handy desinfizieren mehrfach in Form von Kontaminationszwängen.

00:03:01: Also die Angst sich mit einer Krankheit anzustecken zählen oder magisches Denken, zwanghaftes Beten und andere kognitive Rituale können Teil dieser Regulationsmaßnahmen sein.

00:03:13: der Versuch diese Gedanken zu vermeiden um jetzt gut zu verstehen oder im Ansatz nachempfinden zu können etwas betroffene von Zwangsgedanken, der mehrfach täglich erleben müssen.

00:03:25: Könnten wir ein kurzes Faltensexperiment machen?

00:03:27: Wär das okay?

00:03:27: Oh!

00:03:28: Ja wow na klar.

00:03:29: Schieß los.

00:03:31: Ich hab gesehen du hast Stift und Papier.

00:03:34: Da nimm das mal zur Hand und ich würde dich bitten den Namen eines Lieblingsmenschen draufzuschreiben.

00:03:43: Und jetzt schreib bitte.

00:03:44: dazu passiert heute etwas ganz Schlimmes.

00:03:48: Das heißt da steht es Beispiel Marie passiert heute etwas ganz Schlimmes.

00:03:54: Und jetzt fährt dir kurz bewusst, was du da inhaltlich auf den Zettel geschrieben hast und fühl mal dich hinein.

00:04:01: Also ich merke schon wie ich sofort unruhig werde.

00:04:05: Ich habe ein leicht kribbelndes Gefühl muss ich sagen.

00:04:11: Ich finde mich definitiv unwohler als gerade eben wo du noch ganz normal erzählt hast, worum es hier geht.

00:04:21: Hast auch ein Gefühl?

00:04:24: Ist das so ängstlich?

00:04:25: Ja,

00:04:26: es ist ja Besorgnis würde ich sagen.

00:04:28: Besorgen

00:04:29: also auf dem Angstspektrum und spürst auch ein Verhaltensimpuls dass du das quasi durchstreichst oder korrigierst oder den Zettel zerreißt oder dir kognitive erklärst dass es nur ein Experiment ist.

00:04:40: Ich habe tatsächlich schon angefangen es wieder durchzustreichen als du dann als du mich unterbrochen hast dabei und weitergesprochen hast.

00:04:47: Genau!

00:04:48: Und was du da auf das Papier geschrieben hast ist eben vergleichbar mit deinem Zwangsgedanken Nur dass er eben Betroffene einer Zwangsstörung sich nicht aussuchen können, ob sie das eben auf ein Blatt Papier schreiben wollen um sich den auszusetzen.

00:04:59: Wie häufig und wie stark Sie sich dem aussetzen wollen?

00:05:02: Sondern der Gedanke kommt einfach unkontrolliert und ungewollt mit einer ganz starken emotionalen nach physiologischen Reaktion und dem Impuls in Zwangsverhalten zu setzen und diesen Prozess auch zu entkräften und das eben mehrfach täglich

00:05:16: Mhm, verstehe.

00:05:18: Warum schickt uns das Gehirn denn eigentlich diese beängstigenden Gedanken?

00:05:23: Man könnte sie hier als Fehlalarm bezeichnen weil ja meistens oder im Regelfall keine wirkliche Grundlage dafür da ist.

00:05:31: steckt ein unterdrückter Wunsch dahinter oder ist es mehr so eine Art Schluckhauf im Sicherheitssystem des Kopfes?

00:05:38: Mir ist gerade als Verhaltenstherapeut ganz wichtig zu betonen dass hinter aufdringlichen Gedanken oder Zwangsgedanken kein unterdrückter Wunsch steckt.

00:05:47: Wenn man das jemanden sagt, der eine Zwangsstörung hat ist es nicht nur schlichtweg falsch sondern mitunter auch eines der schlimmsten Sachen die man ihm sagen kann oder ihr.

00:05:56: Es ist nämlich genau das Gegenteil ist der Fall.

00:05:58: Auftringliche Gedanken kann man wie du es in der Frage richtig formuliert hast als Fehlalarme sehen.

00:06:03: diese Gedanken werden nicht aufdringlich wenn sie in uns nicht einen wunden Punkt treffen können.

00:06:07: Wenn wir uns jetzt kurz vorstellen wir haben fünfzig Gedanken pro Minute das wären circa siebzig tausend Gedanken pro Tag.

00:06:13: Wow, da macht es sehr viel Sinn.

00:06:15: Das Hirn hat ja die Funktion unsere Bedürfnisse zu schützen das genau diese Gedanken hängen bleiben und uns emotional aktivieren vor denen wir uns schützen müssen oder glauben schützen zu müssen oder die Dinge bedrohen die uns sehr wichtig sind ist generell sehr sehr sinnvoll.

00:06:31: Das Problem bezweifelungsgedankt liegt nur darin dass es eben sich um einen Fehlalarm handelt dass der Gedanke selbst nicht als Gedanke bewertet wird oder der Inhalt als übertrieben katastrophisiert, absurd oder schlichtweg falsch bewertet wird sondern dass dieser Gedanke inhaltlich und emotional ganz viel Raum bekommt.

00:06:49: Als reale Bedrohung fehlinterpretiert wird auf die man reagieren muss und so eine starke emotionale Reaktion ausgelöst wird auch eine physiologische Reaktionen.

00:07:00: Es ist aber keine Bedrohnung es ist ein aufdringer Gedankel es ist einen Fehlalarm.

00:07:05: Ein fürsorglicher Mensch wird zum Beispiel mehr aggressive Zwangsgedanken haben.

00:07:10: Ein gläubiger Mensch wird mehr auf Gedanken mit gotteslästernen Inhalten reagieren als beispielsweise ein Agnostiker.

00:07:16: Ein homophober Mensch, mehr auf homosexuelle Gedanken als ein sexuell aufgeschlossener Mensch und eine Mutter oder einen Vater mehr auf den Gedanken ich könnte meinem Neugeborenen was antun also ein Mensch ohne Kinder.

00:07:27: der Zwang setzt sich umgangssprachlich auf die Verletzlichkeiten auf das was den eigenen Werten dem eigenen Sein widerspricht und Angst macht.

00:07:37: sehr interessant.

00:07:38: jetzt können Zwänge oder Zwangsgedanken ja auch wirklich chronisch werden und im harten Fall sogar bis zu einer Arbeitsunfähigkeit führen.

00:07:50: Warum ist hier eine spezialisierte Verhaltenstherapie das Mittel der Wahl?

00:07:56: Und wie unterstützt die Krankenversicherung dabei, die richtige Hilfe zu finden?

00:08:01: Ja also die KVT, die kognitive Verhaltensterapie ist hier besonders wichtig weil sie in den Behandlungsansätzen wissenschaftlicher auf der einen Seite evident wirksam ist und auf der anderen Seite der Goldstandards, also die beste Behandlungsmethode, die wir zum Zeitpunkt haben.

00:08:16: Gleichzeitig ist der Zwang ein sich selbst aufrechterhaltendes und auch verstärkenderes System das behandlungsbedürftig ist aber in der Regel gut behandelbar ist.

00:08:26: Gut heißt nicht angenehm, das muss ich leider vorwegnehmen.

00:08:30: In der VT behandeln wird den Zwang mit einer Behandlungsmethode die Exposition mit Reaktionsverhinderung genannt wird.

00:08:36: Das heisst Exposition ist, dass sich diesem Angstgedanken dem Zwang aussetzen und überprüfen das dahinter ein Fehlalarm steckt und keine reale Bedrohung steckt.

00:08:48: Und man so über das Erleben lernt, dass dieser Fehlalarm oder es reagieren auf den Fehlalarm obsoletes ist.

00:08:57: Zuerst in der Therapie wird dieser Gedanke hinterfragt, er wird kognitiv neu bewertet.

00:09:03: Also als katastrophisiert oder schlichtweg falsch erkannt und durch einen überprüfbaren Glaubenssatz neu bewertet.

00:09:11: Das bedeutet aber wie ich schon gesagt habe leider nicht dass der Zwang verschwindet sondern es muss über das Erleben entkräftet und umstrukturiert werden.

00:09:18: Wie ich in einem anderen Folge schon gesagt hab Eisen schmiedet man wenn's heiß ist.

00:09:24: Bei der Exposition selbst suchen Betroffene dann ganz bewusst den Gedanken oder die Situation auf, um sich der Zwang dreht und die entstehende Angst wird nicht durch eine Zwangshandlung vermieden oder versucht zu unterdrücken oder im Griff zu halten.

00:09:37: Sondern man setzt sich dieser Angst aus – da sprechen wir von Reaktionsverhinderung.

00:09:42: Und die Katastrophe tritt als Konsequenz nicht ein weil wie gesagt Zwangskedanken maßlos überzogen oder schlichtweg unrichtig sind Was die Lernerfahrung ermöglicht und die neue Bewertung bestärkt, es ist nicht.

00:09:54: Es passiert nichts.

00:09:55: Die Katastrophe tritt nicht ein oder der Zwangsgesanke ist ungefährlich.

00:09:59: Ich bin sicher!

00:10:00: Es ist eine Gedanke.

00:10:02: Okay sehr gut.

00:10:04: Bezüglich der Versicherung, die unterstützt hier eher indirekt wie bei anderen Störungsbildern mit der Finanzierung bzw.

00:10:11: Teilfinanzierung von Therapie- und Diagnostik und auch gegebenenfalls psychopharmakologischer Behandlung also Medikamenten aber auch organisatorisch mit Listen von Therapeuten und Vertragspartnerinnen oder Clearing- oder Servicestellen, die schauen welche Indikation für Therapie da ist.

00:10:28: Gerade bezüglich der Kostenübernahme können private Krankenversicherungen finanziell unter die Arme greifen.

00:10:37: Letzte Frage wenn der Zwang jetzt sagt kontrollier das noch mal sonst passiert was Schlimmes?

00:10:42: soll ich nachgeben?

00:10:43: Oder soll ich die Angst aushalten?

00:10:45: Ich glaube ich habe die Antwort auf die frage schon vorweggenommen.

00:10:48: dass tut mir ein bisschen leid Aber die Antwort ist ganz einfach, nein.

00:10:52: Nicht kontrollieren sondern die Angst aushalten lernen.

00:10:56: Und eben sehen das die bösen Konsequenzen mit denen ich eigentlich rechne dass sie nicht eintreten?

00:11:01: Ja!

00:11:01: Dass

00:11:01: das sie Fehlalarme sind genau.

00:11:04: Okay wunderbar super.

00:11:05: ganz herzlichen Dank für diese spannende Folge Zevrin.

00:11:08: gerne danke

00:11:10: wenn euch Gedanken oder Kontrollimpulse immer wieder einholen.

00:11:14: auf losleben stories findet ihr unter anderem Inhalte rund um Stress Kontrolle und Alltag.

00:11:19: Ein guter Einstieg ist der Artikel, Stress erkennen, Burnout vermeiden.

00:11:24: Link dazu findet ihr in den Shownotes.

00:11:26: Vielen Dank fürs Zuhören und fürs Weiterempfehlen!

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