5.5 Schüchtern oder soziale Phobie? Wann Angst vor Menschen zum Problem wird
Shownotes
Psychische Belastung Symptome früh erkennen ➜ 10 Warnzeichen von Burnout bis Depression ✓ Tipps vom Psychotherapeuten Severin Stefenelli
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00:00:03:
00:00:11: Hallo und willkommen zum Losleben.
00:00:13: Stories Podcast.
00:00:15: Networking-Events, Präsentationen oder einfach nur telefonieren?
00:00:19: Für manche von uns ist das der pure Horror!
00:00:23: Wenn man introvertiert ist – oder wenn man eine soziale Phobie hat….
00:00:27: Das fragen wir heute Severin Steffenelli, Psychotherapeut aus Wien.
00:00:31: Hallo Severin!
00:00:34: Wo liegt denn der Unterschied zwischen normaler Schüchternheit oder Introvertiertheit und einer doch behandelungsbedürftigen sozialen Phobie?
00:00:46: Eine normale Schüchanheit ist ein emotionaler Zustand, den wir wahrscheinlich alle aus der einen oder anderen Situation kennen.
00:00:54: Also wir fühlen uns vielleicht unsicher, leicht ängstlich oder nervös.
00:00:59: Wir neigen vielleicht mehr zur Zurückhaltung als sonst und brauchen vielleicht auch etwas länger aufzutauen.
00:01:04: Vielleicht bin ich auch physiologisch, dass das Herz ein bisschen schneller schlägt, schwitzige Hände haben oder vielleicht zu erröten.
00:01:11: Das passiert meistens in zwischenmenschlichen also bewertenden Situationen aber der soziale Kontakt ist grundsätzlich gut möglich.
00:01:18: es besteht kein oder nur in geringer Leidendruck und Alter-und Beziehungen und Berufen funktionieren ganz normal.
00:01:26: Bei der sozialen Angststörung hingegen die behandlungsbedürftig ist haben betroffene starke Ängste in sozialen Situationen, also im zwischermenschlichen Erleben.
00:01:36: Im Zentrum der Sozialen Phobie steht die Angst vor prüfender Betrachtung, also Angst vor der Bewertung anderer Menschen oder auch im Mittelpunkt zu stehen.
00:01:45: Der Spotlight-Effekt beschreibt diesbezüglich dass sich Menschen selbst sehr überkritisch und intensiv wahrnehmen, also sehr stark mit dem Fokus nach Innen gerichtet sind und glauben andere würden sie ähnlich intensiv, negativ beobachten, wahrnehmen, bewerten oder kritisieren.
00:02:03: Das zeigt sich oft auch in Annahmen oder der Sorge sich zu blamieren, sich falsch zu benehmen oder das falsch zu machen, sich vielleicht doch zu viel Raum zu nehmen also auch zu laut zu lachen oder seine Emotionen zu stark auszudrücken frei und laut lachen zu dürfen und sich darin zu hemmen oder sich falsch auszudrücken oder auch andere zu belästigen oder zu stören also sich zu viel Raum zu nehmen
00:02:26: Das führt dann eben und deswegen ist es behandlungsbedürftig zu Angstsymptomen, die den Alltag einschränken können oder?
00:02:35: Genau das führt dann zu einer unterschiedlichen Symptomvielfalt wegen auch einer starken physiologischen Reaktion.
00:02:42: einer sozialen Vermeidung auch im Unterschied zur normalen Angst wo Aufregungen, Nervosität ja völlig normal ist auch wenn man beispielsweise als Psychotherapeut einen Podcast aufnimmt.
00:02:55: Aber Menschen mit sozialer Phobie tendieren dann sehr stark, sich sozial zurückzuziehen.
00:02:59: Soziale Situationen zu meiden ihre Bedürfnisse denen anderer zu untergraben und eben nicht für sich einzustehen.
00:03:07: auch sehr starke physiologische Reaktionen wie beispielsweise Schwitzen oder Erröten was oft einen sehr unangenehmen Nebeneffekt hat weil man Schwitzen und Errötung eben sehr gut von außen sehen kann um das dann wieder zu einer erhöhten Angst führt negativ bewertet zu werden.
00:03:23: dieses bewertet werden, ist ja mittlerweile schon jetzt muss man sagen schon seit Jahren eigentlich auch ganz wichtiger Teil von Online-Angeboten beziehungsweise von Social Media.
00:03:36: Da geht es genau darum.
00:03:37: liken heißt er ich bewerte etwas als positiv oder eben wenn's nicht geliked wird als negativ.
00:03:43: Verstärken solche Social-Media Portale, auf denen ja gerade junge Menschen mehr oder weniger rund um die Uhr sind?
00:03:50: Verstärke die solche sozialen Ängste eigentlich?
00:03:54: Auch hier ist die kurze Antwort Ja.
00:03:56: Auf jeden Fall müssen wir das auch hier differenzieren ein Stück weit.
00:04:00: Also Social Media ist selten die alleinige Ursache verstärkt aber durch diese digitale Bewertungskultur, die du schon sehr gut beschrieben hast.
00:04:09: Zentrale Faktoren der sozialen Angststörung.
00:04:13: Es gibt internationale Studien aus dem Jahr, die zeigen, dass rund 36 Prozent der sechzehn bis neunundzwanzigjährigen die Kriterien einer sozialen Angststörung erfüllen.
00:04:22: Was ältere Schätzungen von zehn bis fünfzehn Prozent gegenüber schon sehr stark angestiegen ist.
00:04:31: Also eine Verdopplung
00:04:32: muss man sagen?
00:04:33: Genau ja und abhängig eben von den Erfahrungen und der Nutzung von Social Media besteht daher eine Korrelation zwischen starker Social Media Nutzung und sozialer Ängste sowie auch Einsamkeitserleben oder auch anderen psychischen Problemen.
00:04:49: Das heißt, wenn ich dich unterbreche, das heißt Korrelation heisst
00:04:53: dass
00:04:54: je mehr Social Media jemand nutzt desto stärker können auch psychische Probleme sein.
00:05:00: Genau, desto höher ist das Risiko für Menschen mit einer Neigung dorthin.
00:05:06: Und wie du richtig gesagt hast, Posts, Stories – das ist eine ständige Prüfungssituation.
00:05:12: Man ist ständig in der Selbstbeobachtung und das ist eben wie schon angesprochen vorher ein zentraler Mechanismus der sozialen Angststörung.
00:05:19: Gleichzeitig ist man ständiger sozialer Bewertungen, wie wir schon gesagt haben ausgesetzt über Like, Shares oder auch Follower und vielleicht den Stück wert abhängig von deren Rückmeldung.
00:05:29: Dabei kann das Risiko bestehen, dass wir eben gerade seinen Selbstwert oder seine soziales Zugehörigkeitserleben oder das Gefühl eben zu stark an diesen Rückmeldungen abhängig macht.
00:05:42: Dazu gibt es auch noch diesen Vergleich mit diesen romantisierten oder idealisierten Selbstdarstellungen grade von Influencern die nur noch reisen erfolgreich sind keine Probleme haben schon nach dem Aufwachen ausschauen, also könnten sie auf den roten Teppich gehen und das kann eben gerade Gedanken oder selbstkritische Gedanken fördern.
00:05:59: Ich bin nicht gut genug!
00:06:00: Ich bin schlecht und erfolglos oder ich bin unattraktiv.
00:06:03: Und auch das ist Teil der sozialen
00:06:05: Angststörung.
00:06:06: Mich hat jetzt was du eben gesagt hast – jetzt auch bei Influencerinnen oder Influencern – dass wieder an den Spotlight-Effekt erinnert, den Du Anfangs angesprochen hattest.
00:06:17: An Social Media heißt ja eigentlich... im Prinzip zumindest gefühlt die ganze Zeit im Spotlight, weil das ja mein Kanal ist den ich bespiele und den sich eben die ganze Welt anschauen kann.
00:06:31: Wenn es selbst Angst macht eine Therapie aufzusuchen oder Therapeuten zu finden
00:06:41: gibt's
00:06:41: irgendwelche digitalen Anwendungen Apps die als erster Schritt genutzt werden können, die niedrigschwellig sind wo ich eben trotz meinen Ängsten nicht sofort mich in soziale Situationen also zu Menschen begeben muss.
00:06:57: Ja gibt es viele auf die werde ich gleich eingehen.
00:07:01: vorab möchte ich nur sagen dass gerade bei Menschen mit einer sozialen Angststörung oder der sozialen Phobie dieser erste Schritt in eine Therapie schon ein ganz wichtiger Therapiefaktor ist.
00:07:11: das ist schon ein Therapieschritt sich dem auszusetzen und gerade Therapeutinnen, die bezüglich der generalisierten Angststörung sehr geschult sind holen die Patienten meistens sehr empathisch dort ab wo sie sind.
00:07:24: Ich kann gut nachvollziehen dass das viel Mut braucht aber es ist sehr lohnenswert sage ich mal
00:07:30: Man wird herzlich empfangen und muss eigentlich keine wirkliche Angst haben davor.
00:07:34: Ich kann jetzt nicht für alle Therapeuten entsprechen, aber es sollte so sein!
00:07:37: Ja okay
00:07:39: gut Bezüglich der Apps was gibt's da?
00:07:41: Bezügig der digitalen Gesundheitsanwendung gibt es unterschiedliche Apps wie beispielsweise Selfapy oder Vilibra oder auch Invirto.
00:07:50: Die haben ihren Fokus eben auf die Behandlung von Angststörungen gelegt.
00:07:53: Invirto sticht ein Stück weiter hervor, weil man das sogar mit VR-Brille angstbesetzte Situationen aufsuchen kann und die eben schrittweise so konfrontieren oder behandeln kann.
00:08:04: Oder auch Hello Better ist eine App, die vielversprechend wirkt und tolle Rezession hat.
00:08:10: Da ist mein Erfahrungswert aber begrenzt.
00:08:14: Die schaffen einen sehr niederschwelligen Zugang die sind fundiert, bauen meistens auf der KVT also auf der kognitiven Verhaltenstherapie auf und sind schon wie gesagt klinisch geprüft und entwickelt worden.
00:08:28: Werden die denn von den Krankenkassen übernommen?
00:08:31: Ja in Österreich ist es leider flächendeckend noch nicht so.
00:08:35: das ist mehr eine Einzelfallentscheidung auch wenn die Politik gesagt hat dass sie das aktuell diskutieren und umsetzen will.
00:08:43: Das ist eben wie gesagt einzelne Entscheidung mit den Krankenkassen beziehungsweise den Ärzten.
00:08:50: In Deutschland zum Vergleich sind die Apps alle schon nach wachärztlicher Weisung von den Krankenkasen gedeckt, dort nennt man das App auf Rezept und kommt auch dementspechend schon viel häufiger und gezielter zum Einsatz.
00:09:02: D.h.,
00:09:02: hier müsste man einfach schauen falls man einen privaten Krankenversicher hat ob der möglicherweise entsprechende Angebote finanziert?
00:09:11: Genau!
00:09:12: Was ist denn jetzt ein konkreter Tipp oder eine konkrete Hilfestellung für Menschen, die eben beispielsweise morgen eine Präsentation halten müssen und nichts als weg wollen?
00:09:22: Und diese Situation vermeiden wollen.
00:09:25: Gibt es da einen Tool was du empfehlen kannst das wirklich diese akute Panik die man hat nicht unterdrückt aber halt zumindest abmildern kann
00:09:37: also war schon einmal sehr hilft?
00:09:38: ist zu verstehen dass Panik ungefährlich ist für in der Regel gesunde Menschen und eine sehr starke Schutzreaktion ist, die uns auf Kampf oder Flucht vorbereitet.
00:09:48: Also die arbeitet nicht gegen uns sondern für uns!
00:09:51: Wir müssen nur verstehen, dass sie ausgelöst wird entweder dadurch das wir tatsächlich für Leib und Leben in Gefahr sind oder dass wir eine Situation über- oder fehl interpretieren.
00:10:02: Das heißt, dass wir die Situation interpretieren als wären wir hier wirklich in existenzieller Gefahr.
00:10:08: Wenn wir jetzt an die Präsentation denken, wäre daher zuerst wichtig sich zu überlegen woher diese Angst kommt.
00:10:14: Sie nicht so bekämpfen sondern sie im ersten Moment einmal anzunehmen.
00:10:17: das bremst den Angstkreis der im Endeffekt die die Anspannung bis hin zur Panik steigern kann.
00:10:24: ein weiterer sehr schneller Schritt wäre die Bauchatmung zu aktivieren oder Zwerchfellatmungen d.h.
00:10:30: das vegetative Nervensystem zu beruhigen.
00:10:33: Das passiert durch tiefe Atemzüge in den Bauch und eine aktive, doppelt so lange verlangsamte Ausatmung mit einer kurzen Pause und einem Wiederholen.
00:10:44: Wichtig wäre sich auch zu überlegen was steckt denn für Gedanke oder für eine Fehlinterpretation?
00:10:51: Welche Sorge, welche katastrophisierte Konsequenz folgt wenn ich gewiss...wenn ich diesen diese Präsentation nicht schaffe?
00:11:01: Gedanken wie ich will mich nicht blamieren sind normal.
00:11:04: Meist finden wir aber dahinter eine sehr überzogene Annahme, dass was noch Schlimmeres passiert.
00:11:09: Zum Beispiel das man ausgeschlossen wird, dass man nicht gut genug ist und seinen Job verliert etc... Diese katastrophisierten Gedanken gilt schon auch ein Stück weit zu hinterfragen um zu überprüfen und durch neutrale bis hin zu positiven Glaubenssätzen zu korrigieren.
00:11:24: Ich sage ganz bewusst neutral, weil das kein Wunschkonzert ist.
00:11:27: wir können uns nicht einfach in den Gedanken herholen der schön klingt, der im Leben nicht überprüfbar ist und denen dann als Reaktion einüben.
00:11:35: es braucht dieses Erleben und diese Überprüfung durch den sozialen Resonanzraum also durch die anderen.
00:11:42: Dabei können wir zum Beispiel Gedanken helfen, wie ich werde.
00:11:45: Also Gedanken, wie Ich werde keinen Fehler machen oder es werden mich alle mögen und Es wird allen gefallen sind hier nicht hilfreich.
00:11:50: das ist eben sehr naiv würde ich mal sagen
00:11:53: zu unrealistisch.
00:11:54: auch Einfach
00:11:54: so unrealistisch genau auch Nicht überprüfbar weil nicht jedem wird Auch nicht jeden wird dieser podcast und ich werde ihm nicht gefallen.
00:12:00: Das ist auch ganz normal.
00:12:02: Ja
00:12:03: da können viel mehr Gedanken helfen.
00:12:05: Fehler sind okay?
00:12:06: Ich bin sicher
00:12:07: Ich
00:12:07: kann und werde das schaffen, um das dann auch überprüfen.
00:12:10: Und die Angst auch vielleicht als gesunde Reaktion ein Stück weit mit auf die Bühne oder wo auch immer man die Präsentation hält, mitzunehmen ihren Platz zu geben und sie auch dort ruhig dabei sein lassen, ein Stück weiter.
00:12:26: Das klingt sehr gut!
00:12:27: Ich sage ganz herzlichen Dank lieber Severin.
00:12:31: Danke an...
00:12:33: Wenn sich Soziale Situation für dich nach Stress statt nach Alltag anfühlen, wenn du Angst bekommst.
00:12:41: Dann schauen unsere Show-Notes.
00:12:43: dort gibt es weiterführende Hinweise zum Beispiel zu den Apps die wir gerade eben besprochen haben.
00:12:50: Danke fürs Zuhören und abonniert uns bitte auf allen gängigen
00:12:54: Plattformen.
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