5.3 ADHS bei Erwachsenen: Bin ich chaotisch oder steckt mehr dahinter?

Shownotes

Psychische Belastung Symptome früh erkennen ➜ 10 Warnzeichen von Burnout bis Depression ✓ Tipps vom Psychotherapeuten Severin Stefenelli

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Psychische Belastung & Symptome: 10 Anzeichen im Mental Health Check

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00:00:03:

00:00:11: Hallo beim Losleben Stories Podcast.

00:00:14: Ständig den Schlüssel verlegt, hundert Tabs im Browser offen und ständig innerlich unruhig?

00:00:20: ADHS ist nicht nur ein Thema für Kinder – immer mehr Erwachsene werden damit diagnostiziert!

00:00:26: Wir klären auf mit Severin Steffenelli, Psychotherapeut aus Wien.

00:00:34: Viele Erwachsener halten sich einfach für chaotisch.

00:00:38: Was sind denn so die typischen ADHS-Symptome jenseits dieses Zappelfillip Klischees, die wir im erwachsenen Alter oft übersehen?

00:00:48: Ja also dieses

00:00:50: typische Zappel-Philipp-Klischee

00:00:51: sieht

00:00:51: man im erwachsenden Alter gerade im Vergleich zu den Kindern eher weniger.

00:00:56: das verlagert sich meist in eine innere Hyperaktivität oder auch innere Unruhe wie dem Gefühl, getrieben zu sein oder auch ständig unter Strom zu stehen.

00:01:06: Oder durch Schwierigkeiten zur Ruhe zu kommen oder in die Entspannung zu kommen und einem ständigen Beschäftigtsein oder mehrere Sachen gleichzeitig machen.

00:01:15: Man könnte ungernsprachlich fast von so einem Multitasking dran sprechen also mit dem Handy vor dem Fernseher sitzen und gleichzeitig eine Diskussion mit der Partnerin zu führen.

00:01:25: Gleichzeitig sieht man auch Aufmerksamkeit und Konzentration zu Problemen in Form von Schwierigkeiten, sich länger zu konzentrieren oder zu fokussieren.

00:01:34: Das kann in Gesprächen auffallen oder beim Lesen oder bei beruflichen Aufgaben und deren Bewältigung.

00:01:41: Auch eine erhöhte Ablenkbarkeit kann vorhanden sein, hier sprechen wir von sogenanntem Gedankenspringen.

00:01:48: Also von einem Thema vielleicht in ein anderes zu springen was ich gerade als Gesprächspartnerin oft nicht ganz nachvollziehbar anfühlen kann wie man jetzt von dem einen Thema so schnell in ein anderes kommt oder zu einem anderen kommt.

00:02:00: Oder auch die in der Einleitung angesprochene Vergesslichkeit, also den Schlüssel den man vergisst oder auch einen Termin mit der Partnerin ohne dass da irgendein negativer Hintergedanke mitschwingt.

00:02:10: Probleme können auch dann entstehen wenn es darum geht sich und Aufgaben zu strukturieren und dementsprechend dann auch zur Ende zu bringen, also von der Motivation ich will bis zur Umsetzung.

00:02:21:  ich mache es zu kommen!

00:02:23: Wir sprechen ja von einer Problematik bezüglich dem Zeitmanagement und auch der Priorisierung.

00:02:29: Und die Impulsivität ist bei Menschen mit ADHS ein Kernsymptom wobei man hier sagen muss dass er sich das im Erwachsenenalter reduzieren kann.

00:02:37: Das kann sich in Form von Ungeduld oder dem Unterbrechen anderen Gesprächen zeigen.

00:02:41: Oder auch in Form spontaner Entscheidungen, ohne dass man die mittelfristigen oder langfristigen Folgen abgewogen hat.

00:02:50: und eine emotionale Impulsivität ist Teil davon, die sich gerade in Schwierigkeiten der Emotionsregulationen oder auch Konflikten im Partnerinenschaften zeigen kann.

00:02:59: ADHS

00:03:00: wird

00:03:00: daher heute im Vergleich zu früher primär Störungen der Selbstregulation unter exekutiven Funktionen verstanden.

00:03:08: Kannst du das genauer erläutern, was das bedeutet?

00:03:10: Also insbesondere im Gegensatz zu früher.

00:03:12: Was du da meinst?

00:03:14: Früher hat man das eher als eine Kinderstörung gesehen in Form von Hyperaktivität und Problemen sich zu konzentrieren.

00:03:21: heute wird es eher verstanden

00:03:23: als Teil der Neurodivergänz wo man eben Probleme hat sich und seine Emotionen selbst zu regulieren Dinge zu priorisieren, den Fokus auf Dinge zu legen und auch dort zu halten.

00:03:34: Und dann aber auch die exekutiven Funktionen zu haben.

00:03:37: das um die Umsetzung zu bringen.

00:03:41: Also doch eine ganze Menge Symptome die hier da sein müssen damit jemand ADHS diagnostiziert bekommt.

00:03:48: Warum wird denn dass bei vielen Menschen tatsächlich es jetzt mit dreißig oder vierzig Jahren diagnostiziert?

00:03:54: Hat man das bei denen als Kind einfach übersehen oder gibt es auch Symptome, die sich im Zeitablauf wandeln können?

00:04:02: Ja wenn wir in die Literatur zu schauen ist die Antwort ein sowohl als auch also.

00:04:07: die Symptomatik von ADHS kann sich über die Entwicklungen ins Erwachsenenalter bis hin zu stark wandeln und auch verändern.

00:04:14: Und das ist eine Kombination aus Entwicklung, Sozialisation, also Umwelt- und diagnostischen Faktoren wie man diagnostiziert unter welchen Kriterien wie so eine Diagnose bei Betroffenen gestellt oder leider nicht gestellt, oder sogar übersehen wird.

00:04:29: ADHS wurde lange Zeit als Kinderstörung mit Fokus auf diese Hyperaktivität gesehen und daher bei Erwachsenen wo wir jetzt gerade vorher schon gesagt haben dass sich das eher in eine Unruhe nach Innen verlegt und vor allem auch bei Frauen kaum diagnostiziert.

00:04:44: Bei Buben sieht man auf diese klassische Hyperaktivität einen sehr hohen Bewegungsdrang zappeln, bis hin zu auffälligem oder auch störendem lauten Verhalten.

00:04:54: Das bei Erwachsenen eher in diese schon angesprochene Unruhe geht.

00:04:59: Besonders bei Frauen und Mädchen wird das oft übersehen oder erst sehr spät diagnostiziert weil sie eben oft weniger Hyperaktivität zeigen sondern mehr eine stille Unaufmerksamkeit, Unruhe, so eine gewisse Verträumtheit oder eben sehr stark lernen mussten, sich an die Gegebenheiten anzupassen.

00:05:15: Also wenn wir daran denken welche Ansprüche wie ein Mädchen in der Schule haben bezüglich Leistungsfähigkeit und Kompensation entsteht da auch eine sehr große Ambivalenz.

00:05:25: Beispielsweise ein hoher Intelligenzfaktor kann hier diese innere Aufmerksamkeitsproblematik kompensieren.

00:05:33: Das heißt man redet ja von ADHS das H steht für Hyperaktivität oder von ADS wo diese Hyperaktivität fehlt.

00:05:42: Das was du jetzt gesagt hast würde eigentlich darauf schließen lassen, dass im Erwachsenenalter eher das ADS da ist und nicht das ADHS.

00:05:49: Aber trotzdem wie man sich innerlich fühlt eigentlich sehr ähnlich oder sogar gleich sind bei beiden?

00:05:55: Ja und sich diese zwei Typen eben durch den Ausdruck schon ein Stück weit unterscheiden auch.

00:06:01: Und vor allem die strukturierte Umgebung.

00:06:04: also gerade wenn man sagt die strukturierte Umgebung wie zum Beispiel Familie, Tagestruktur und Schule hilft natürlich auf der einen Seite den Kindern durch äußere Reize oder durch äussere Kontrollmechanismen sich zu strukturieren.

00:06:17: Und wenn man dann später im Zuhause alleine wohnt, Studiumberuf oder Beziehungsgestaltung – wenn da die Selbstregulation gefordert ist – und diese äußeren Stützen natürlich fehlen kann, kann die Problematik auch erst später so signifikant hervortreten.

00:06:33: Okay, das heißt wenn ich da merke ich kann mich nicht konzentrieren.

00:06:36: Ich bin unmotiviert bringe Aufgaben nicht zu Ende dann merk ist quasi da erst weil vorher gar nicht möglich war dass es auffällt weil eben die Schule zum Beispiel so stark strukturiert

00:06:46: Auf der einen Seite weil die äußeren Strukturen sehr viel Halt geben und auf der anderen Seite weil diese Kompensationsmechanismen also dieses viel leisten müssen an die schulischen Leistungen anpassen und so sehr im Vordergrund stehen.

00:07:01: Und abschließend könnte man sagen, dass es eben auch zu mehr Diagnosen kommt weil die Diagnostik sich verändert hat.

00:07:06: Also auf deiner Seite die Diagnose Kriterien aber auch die Art und Weise mit welchen Instrumenten wir diagnostizieren.

00:07:12: Dementsprechend natürlich der Fokus der Professionistinnen auch auf ADHS vor allem bei Frauen und im Erwachsenden Alter.

00:07:23: Kurz gesagt, es wird auch deshalb mehr diagnostiziert weil die Diagnoseinstrumente einfach besser geworden sind.

00:07:29: Weil wir sie jetzt besser erkennen können als noch vor wenigen Jahren.

00:07:33: Trotzdem gilt ja immer noch man hört das hauptsächlich von Menschen die ihre Kinder diagnostizieren lassen wollen oder mal untersuchen lassen wollen Es dauert einfacher Zeit bis man so eine Diagnos dann bekommt und nicht bekommt.

00:07:47: Wie navigiere ich denn am besten durchs Gesundheitssystem, um da die entsprechenden Experten oder Expertinnen zu finden.

00:07:53: und warum ist die offizielle Diagnose so wichtig für die Kostenübernahme bei der Krankenversicherung?

00:07:59: Ja das stimmt leider.

00:08:01: Also Wartezeiten für eine Diagnostik gerade wenn sie als Kassenleistung bezahlt werden können sich sehr ziehen.

00:08:07: privat geht es schneller ist aber leider sehr teuer und es besteht eben nur eine Teilrefundierung.

00:08:14: Der Weg an sich, wie ich dadurch navigiere, wäre über eine Hausärztin oder über eine Fachärztin für Psychiatrie- oder auch Neurologie, die eine Überweisung für eine Diagnostik stellt.

00:08:25: Die Diagnastik macht in der Regel eine Psychologin und eine Fach Ärztin.

00:08:29: Sinn macht es auf deiner Seite um Klarheit zu schaffen, um andere Störungsbilder – um sogenannte Komorbiditäten also Störungsbildern, die parallel entstehen können oder auch Fehldiagnosen auszuschließen und die richtige Unterstützung zu erhalten.

00:08:43: Andererseits ist die Kostenübernahme für die Psychotherapie natürlich eine, die essentiell ist.

00:08:48: Weil sie leider privat nicht sehr günstig ist und es ist auch wichtig für die Abklärung unter die Indikation oder eine Medikation notwendig ist.

00:08:58: Okay das heißt also kurz gesagt ich muss erstmal zur Ärztin oder zum Arzt?

00:09:03: Genau!

00:09:03: Die oder der mich dann weiterverweist.

00:09:05: okay

00:09:07: man kann abschließend vielleicht sagen dass es am Anfang vielleicht leider viel Eigeninitiative braucht Aber dass es leichter wird, wenn man mal im System integriert ist.

00:09:17: Wobei die Eigeninitiative ja gerade das einst der Probleme ist, die eben ADHS oder ADS-Betroffene haben?

00:09:23: Das

00:09:23: ist leider die Problematik.

00:09:25: Gibt's denn einen Hack sozusagen oder ein Tool damit ich als Betroffener mehr Struktur in meinen Alltag bringen kann und das mir vielleicht sogar helfen kann ohne die Medikamente zu nehmen, die für ADHS verschrieben werden?

00:09:42: Ja!

00:09:43: Vorher wäre mir vielleicht wichtig zu sagen, dass wenn wir in die Wissenschaft hinein hören, dass zu viele Kinder mit ADHS diagnostiziert werden, die keinen ADHS haben.

00:09:53: Hier gibt es Untersuchungen bezüglich unterschiedlicher Faktoren wie zum Beispiel regionalen Unterschiede in der Diagnostik oder auch eine unschafe Abgrenzung zur normalem lebhaften kindlichen Verhalten.

00:10:04: Aber die Kinder, die wirklich ADHS sind teilweise untermedikamentiert also bekommen keine Ausreichende oder gar keine Medikation Meist auf Basis von Vorteilen, Fehlinformationen, Sorgenängsen oder Medikationen und der Nebenwirkungen.

00:10:20: Wichtig ist zu sagen dass nicht jedes Kind oder auch nicht jeder Erwachsene mit ADHS eine Medikacion braucht.

00:10:24: die Empfehlung unter Leitfangen ist eben eine Mischung aus Verhaltenstherapie plus einer gegebenen Medikation.

00:10:31: aber die richtige Medikation in der richtigen Dosierung für die richtige Person über den richtigen Zeitraum gerade bei Kindern kann einen riesengroßen Leidensdruck auf das Symptomebene, aber auch im Beziehungs- und Selbstwert erlebende.

00:10:44: Familie, Schule, Partnerinenschaften, Schulberuf, Freizeitgestaltung... ...und noch in der Lebensqualität gewährleisten.

00:10:50: Man könnte sagen manche leiden leider etwas umsonst.

00:10:54: Okay,

00:10:55: verstehe

00:10:58: Das heißt noch mal kurz zusammengefasst, das heißt es gibt viele die diagnostiziert sind aber kein ADHS haben und bei denen die ADHS habe ist es oft so dass sie besser dran wären wenn Sie Medikamente bekommen würden.

00:11:12: Bekommen Sie aber oft nicht!

00:11:13: Das müsste man sich im Einzelfall anschauen.

00:11:15: aber in der Regel gibt's viele Kinder die ADHS haben und eben keine Medikamente bekommen und sehr davon profitieren könnten.

00:11:22: Ja okay Gut, aber ich hatte dich auch nach einem oder mehreren Tools gefragt, die man als Betroffener Erwachsener jetzt umsetzen kann.

00:11:30: Ja?

00:11:32: Also gerade wenn es um Struktur schaffen geht, kann man zum Beispiel... Wenn wir dazu neigen Aufgaben aufzuschieben, kann sich klare Zeitpunkte versuchen zu formulieren und die aber auch sichtbar zu machen.

00:11:44: Das heißt die Zeit, wo man z.B.

00:11:46: arbeiten möchte oder zu arbeiten beginnen möchte das Verhältnis Arbeit zu Pausen, zu strukturieren.

00:11:52: zum Beispiel auf einem Timer einstellen und das klar sichtbar machen und sich auch versuchen an diese Zeiten die man sich gesetzt hat zum Beispiel für einen zwanzig Minuten arbeiten fünf Minuten Pause zu halten um das eben zu verbildlichen sichtbar zu machen.

00:12:07: gleichzeitig kann es auch helfen Arbeitsaufgaben zu splitten also nicht beispielsweise so sagen ich räume jetzt die Wohnung auf sondern die Aufgaben ganz gezielt zu trennen und zu verkleinern.

00:12:17: und sozusagen jetzt bringe ich zuerst den Müll runter dann wische ich den Tisch ab, dann hänge ich die Wäsche auf.

00:12:23: Bei ADHS können auch

00:12:24: Vendantpläne

00:12:25: super helfen gerade um Verhalten ein Stück weit zu automatisieren.

00:12:29: zum Beispiel wäre das wenn ich nach Hause komme dann ziehe sofort meine Sportsachen an beispielsweise wenn ich dazu

00:12:35: tendiere nachhause

00:12:36: zu kommen um mich auf die Couch zu legen und mir es dann schwer fällt ins Gym oder ins Training zu gehen.

00:12:43: Oder wenn ich abgelenkt bin dann schaue ich auf meinen Timer und mache weiter wo ich war oder wenn ich das Handy in die Hand nehme, lege ich das Handy sofort wieder weg.

00:12:51: Wichtig bei solchen Plänen ist dass sie möglichst kurz formuliert sind und mit diesen individuellen, das muss jeder für sich finden auslösern, für diese Ablenkung eben verknüpft werden und visuell auch dargestellt werden.

00:13:03: über ein Timer oder man kann es sich auch aufschreiben

00:13:07: und eben

00:13:07: Erfolgserlebnisse schaffen.

00:13:09: Gerade wenn wir Richtung Motivation denken.

00:13:11: bei ADHS wo es Abweichungen im dopaminergen System geben können kann eben Motivation oder eine schöne Arbeitsweltgestaltung helfen, wie zum Beispiel

00:13:21: Musik hören

00:13:21: beim Arbeiten.

00:13:22: Snacks beim Lernen bereitzustellen oder sich auch nach der Arbeitsbewältigung zu belohnen.

00:13:29: Ein Leitsatz die jetzt besüglich könnte sein macht es einfacher und nicht perfekter.

00:13:34: Super das war doch ein ganz wunderbares Schlusswort.

00:13:37: vielen Dank Severin!

00:13:39: Danke

00:13:40: Wenn du dich in diesem Dauerchaos im Kopf wiedererkennst, auf Losleben Stories findest du unter anderem den Beitrag "Digital Detox- Bildschirmzeit reduzieren".

00:13:50: Der zeigt wie stark Reizüberflutung unseren Fokus beeinflussen kann.

00:13:55: Auch zum Thema ADHS findet ihr hilfreiche Infos.

00:13:59: Allerdings findet ihr in den Shownotes Danke Severin, danke fürs Zuhören und vergesst nicht uns zu abonnieren!

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