3.5 Angst: Warum vermeiden wir Dinge, die uns eigentlich helfen würden?

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00:00:03:

00:00:12: Hallo beim Losleben Stories Podcast der Wiener Städtischen.

00:00:15: Heute geht's ums Geld oder besser, um die Panik, die es auslöst.

00:00:19: Der Briefkasten wird dann nicht mehr geöffnet und die Contour App links liegen gelassen.

00:00:24: Die Psychologin Denise Rama hat dafür einen Plan – hallo Denise!

00:00:33: Warum kann Geld uns denn manchmal so stressen?

00:00:36: Es sind doch eigentlich nur ein paar Zahlen auf dem Konto.

00:00:40: Aus psychologischer Sicht ist Geld nie nur eine Zahl auf einem Konto, Geld steht für mehrere grundlegende menschliche Bedürfnisse.

00:00:49: Geld steht aber auch für das Gefühl von Sicherheit.

00:00:53: Wenn ich nämlich Geld habe, kann ich meine Miete zahlen und mir Essen kaufen.

00:01:00: Wenn ich Geld habe, kann ich mich frei bewegen.

00:01:02: Ich bin nicht abhängig von jemandem und muss niemanden fragen nach Geld und von dem her steht das für grundlegende menschliche Bedürfnisse wie Sicherheit und Autonomie und zugleich erlaubt es mir an sozialen Aktivitäten teilzuhaben damit zu machen meinen Interessen nachzugehen, meinen Hobbys nachzugehnen also alles Faktoren die ganz gut gegen eine Depression auch wirken können.

00:01:25: Geld ist ja auch so ein Thema.

00:01:27: Was habe ich da selber für Verbindungen dazu?

00:01:30: Wie ist es uns zu Hause, wie ist es meinen Eltern mit Geld gegangen?

00:01:34: war das schon immer ein schwieriges Thema?

00:01:35: Also kann einfach so ein Stressthema sein.

00:01:39: Dann ist es auch in der aktuellen Zeit ja auch sowieso Thema, weil mit Corona und den ganzen, der ganzen Inflation ist das ja so dass viele Sachen teurer geworden sind.

00:01:50: Und das liegt ja auch außerhalb meiner Kontrolle.

00:01:53: Ich kann da eigentlich gar nichts tun und das passiert ja unabhängig von meiner aktuell finanziellen Situation und deshalb ist es auch ein Stressthema.

00:02:04: Es kann so einen Gefühl auslösen wie, ich habe das eh nicht unter Kontrolle sozusagen und deswegen ist Geld nicht nur eine Zahl sondern es ist ganz emotional geladen eigentlich.

00:02:17: Verstehe!

00:02:18: Jetzt gibt's ja Leute für die das so bedrohlich ist dass sie schon es vermeiden zum Postkasten zu gehen, wenn dort möglicherweise eine Rechnung oder sogar eine Mahnung drin liegt.

00:02:33: Oder die sich gar nicht mehr trauen ihre Konto-App aufzumachen und zu schauen wie viel Geld habe ich denn jetzt wirklich?

00:02:38: Muss ich mir überhaupt Sorgen machen!

00:02:40: Wie komme ich aus diesem Problem raus?

00:02:43: Hast du da erste Hilfemaßnahmen, die man da anwenden kann?

00:02:49: Ja, hinter der Briefkasten-Angst steckt ja auch oft die Angst vor diesen negativen Nachrichten oder eben vielleicht vor einer Mieterhöhung wieder einmal oder nach anderen Erhöhungen.

00:03:02: Von anderen Fixkosten sag ich jetzt mal, also es kann einfach so eine Angst vor negativen Nachrichten sein.

00:03:08: Und wenn ich das aber vermeide dann ist es kurzfristig erleichternd.

00:03:13: Also die Angst ist kurzfristige Mal mehr oder weniger weg. Aber langfristig wird die Angst durch größer also langfristig löse sich so das Problem eigentlich gar nicht.

00:03:22: und von dem her wäre der erste Schritt, mit einem kleinen Schritt zu beginnen.

00:03:28: Also jetzt nicht irgendwie vor dem vielleicht schon Haufen Briefe, der sich angesammelt hat hinzustellen und zu sagen wo fange ich an?

00:03:35: Wo höre ich auf und überfordert zu sein?

00:03:37: Sondern sich einen Zeitpunkt zu setzen und da für sich irgendwie sich auszumachen.

00:03:44: Dann mache ich erstmal einen Brief zum Beispiel auf und schaue mir mal die Lage an oder ich check zumindest einmal meine finanzielle Lage ab.

00:03:51: Das ist alles was ich gerade jetzt mach, einfach so ein bisschen darum, dass man wieder in Kontakt mit der Realität kommt,

00:03:58: mit der aktuellen, um da auch so ein Stück weit die Kontrolle für sich zu gewinnen und zu sehen: okay ich kann ja was tun!

00:04:07: Ich kann ja eh die Lage abchecken und ich kann einen Brief öffnen und ich kan sogar vielleicht einen Brief eine Rechnung bezahlen sozusagen.

00:04:17: also das heißt

00:04:19: Ja, Entschuldigung.

00:04:20: Das heißt aus dem großen Problem was mich zu überrollen droht, weswegen ich eigentlich handlungsunfähig geworden bin, wenn ich gar nicht mehr zum Postkasten gehe mache ich eigentlich kleine und händelbare Probleme, die ich dann eben nach und nach abarbeite?

00:04:36: Genau genau also alles ganz schön in Schritten einteilen Und diese Schritte sollen für einen auch wirklich machbar sein.

00:04:45: Es soll sich machbar anfühlen, es soll ihm nicht überwältigen.

00:04:48: Dieser eine Schritt soll sich so anführen als könnte man ihn wirklich

00:04:51: durchführen.

00:04:52: Jetzt ist es so dass viele ihre Geldsorgen mehr oder weniger überspielen in Gesprächen und lieber mit niemandem darüber reden.

00:05:01: Dahinter steckt natürlich eine Scham die man hat, weil Geld ja in unserer Gesellschaft auch eine sehr wichtige Rolle spielt.

00:05:11: Wie kann man diese Scham durchbrechen, damit man dann überhaupt fähig ist sich Hilfe zu holen?

00:05:18: Ja wenn man eine finanzielle Unsicherheit hat.

00:05:23: Dann hat das ja auch,

00:05:24: oftmals geht es mit dem Gefühl von einem Versagen einher.

00:05:29: Man hat das Gefühl dass man versagt hat.

00:05:31: Man vergleicht sich mit anderen und hat den Eindruck alle anderen haben ihr Leben mehr im Griff.

00:05:36: Und Geld zu haben bedeutet ja auch sozialer Status und der Zugehörigkeit.

00:05:48: Wenn ich jetzt mir denke, dass ich nicht so viel Geld habe oder das Gefühl habe, dass es bisher nicht so geschafft hat, dann kann es schon sein, dass mich sehr dafür schäme.

00:06:00: Lebt ja im Verborgenen sozusagen.

00:06:03: Also wenn ich etwas für mich behalte und versuche zu verstecken, dann wächst die Scham eigentlich umso mehr.

00:06:11: Da bestätigt sich einfach nur das Gefühl in dem Sinn. Und deswegen rate ich da auch eigentlich, aktiv zu sein und den ersten Schritt zu machen, mit einer Person des Vertrauens zum Beispiel zu sprechen.

00:06:25: Das kann der Partner/die Partnerin sein, das kann vielleicht eine sehr gute Freundin oder ein guter Freund sein, mit dem ich mich trau darüber zu sprechen

00:06:33: und meistens ist es dann auch so eigentlich wenn man mit jemandem darüber redet dann merkt man ja auch erkennt es auch "ich bin nicht allein".

00:06:42: Also es gibt auch andere Menschen, die vielleicht in den wieder mal Phasen haben wo sie finanzielle Unsicherheiten hatten oder wo's mal knapp war.

00:06:51: Es ist etwas was viele Menschen einfach kennen man ist nicht allein und das hilft so sehr um vom Schamgefühl sich zu lösen.

00:07:02: Ist es aber möglich dass selbst wenn ich jetzt kein Schamgefühl mehr habe dass ich trotzdem noch ein Problem habe damit.

00:07:08: Zum einen kann es ja sein, dass sich tatsächlich, das die Geldsorgen so groß sind, dass ich da alleine nicht mehr rauskomme.

00:07:16: Zum anderen kann es sein, auch wenn ich es geschafft habe mit anderen Menschen, die mir nahestehen darüber zu sprechen und auch wenn Ich diese kleinen Schritte gegangen bin über die wir vorgesprochen haben, aus dieser Existenz, Angst und den Geldsorgen nicht mehr rauskomme.

00:07:34: Was kann ich in solchen Fällen tun?

00:07:39: Wenn ich merke, dass mir all diese Maßnahmen eigentlich nicht mehr helfen... Ich kann es jetzt mal versuchen so aus zwei Perspektiven zu beantworten.

00:07:49: Aus der rationalen Ebene und einmal aus der psychologischen Ebene.

00:07:52: Aber wenn ich merke, dass ich eigentlich mir schwer tut Rechnungen zu bezahlen, wenn ich schon Mahnungen bekommen habe oder in Inkassobüroschreiben bekommen habe, wenn ich merke dass ich die auch nicht bezahlen kann.

00:08:04: Wenn ich schon merke das sich eigentlich Schulden anhäufen sozusagen, wenn die Schulden schon größer werden, dann ist es schon wichtig, sich eine professionelle Unterstützung beim Schuldnerberater zum Beispiel zu holen.

00:08:18: Da hilft ja auch einer einmal einen Überblick über die Lage zu bekommen.

00:08:21: Der ist dann auch lösungsorientiert und hilft ein wirklich konkretes Schritte in die Wege zu leiten um da eben wieder rauszukommen.

00:08:29: Und aus psychologischer Sicht ist es auch so, dass das sehr belasten kann.

00:08:32: Also man isoliert sich dann, kriegt vielleicht Schlafstörungen deswegen und das führt natürlich zu Depressionen, Angststörungen und da spätestens kann man sich zusätzlich auf eine psychologische Hilfe holen.

00:08:47: Alles klar!

00:08:49: Ich sage ganz herzlichen Dank.

00:08:50: schön, dass du da warst

00:08:52: Danke.

00:08:54: Mehr Infos und hilfreiche Links findet ihr auf wienerstädtische.at

00:08:58: /loslebenstories. Abonniert uns auf Spotify, Apple Podcasts oder der Plattform wo ihr uns

00:09:12: hört.

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