3.2 Imposter-Syndrom: Warum zweifeln wir an uns selbst, obwohl wir kompetent sind?

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00:00:03:

00:00:11: Hallo zum Losleben Stories Podcast, dem Podcast der Wiener Städtischen.

00:00:16: Heute geht's um das Imposter-Syndrom – das Gefühl, dass alle anderen im Meeting sich besser auskennen als du!

00:00:23: Die Wieners Psychologin Denise Rama hat drei Sätze, die dich in dieser Situation retten.

00:00:28: Hallo Denise!

00:00:30: Ja hallo danke für die Einladung

00:00:32: Sehr gerne.

00:00:32: ich freue mich, dass Du da bist.

00:00:34: Legen wir los, das Impostssyndrom oder Hochstablersyndrom.

00:00:38: Ist es eigentlich nur ein fancy Begriff für

00:00:40: "ich bin unsicher" -

00:00:41: Oder steckt da mehr dahinter?

00:00:44: Ja hinter dem Impost-Syndrome steckt auf jeden Fall mehr dahinter.

00:00:47: also bei diesem Gefühl Ich bin unsicher.

00:00:51: Das ist ja etwas was wir alle hin und wieder mal kennen Und das sind wahrscheinlich Momente, wo wir tatsächlich merken, okay da gibt es etwas was ich nicht so genau weiß oder was ich noch nicht genau kenne.

00:01:01: Beim Imposter-Syndrom aber oder beim Hochstapler-Ssyndrom ist es so dass die Menschen meistens ihre Fähigkeiten eigentlich systematisch unterschätzen und da ganz oft so, dass objektive Gegenargumente gar nicht helfen, um das Gefühl der Unsicherheit in dem Fall zu beruhigen.

00:01:18: Also da kennt man bestimmt den Satz, den berühmten, dass man sagt es ist nur eine Frage der Zeit bis es auffällt dass alle hier merken, dass ich eigentlich gar nichts drauf habe.

00:01:29: Also das ist so ein typischer Satz den man sich in dem Moment eigentlich oftmals sagt und das Wichtige oder so einen Merkmal bei Menschen die unter Impostersyndrom leiden ist es, dass sie ihre Erfolge äußeren Bedingungen zuschreiben.

00:01:45: also es ist zum Beispiel einfach nur Glück gewesen, warum sie da jetzt eine gute Leistung erzielt haben oder ein Zufall.

00:01:51: Oder irgendwie war jemand gerade wohlwollend und ja hat es irgendwie gut gemeint aber niemals irgendwie dass es vielleicht daran liegt das ich einfach Fähigkeiten bereits schon entwickelt habe und dass sich da irgendwie auch mich mittlerweile damit beschäftigt hab.

00:02:06: genau also so eine Diskrepanz zwischen Selbstvernehmungen der tatsächlichen Leistung.

00:02:12: Ist das umgekehrt auch, dass wenn ich jetzt sozusagen wenn etwas Schlechtes passiert dann nehme ich das schon auf meine Kappe und mache mich schon dafür verantwortlich?

00:02:20: Nur eben bei Erfolgen mache ich das nicht.

00:02:22: Ja genau ganz genau.

00:02:23: also wenn mir dann eben schlechte Sachen passieren dann mach ich das natürlich dann bin ich die Verantwortliche dafür Dann sehe ich mich als die Ursache dafür.

00:02:32: Das liegt hauptsächlich auch daran weil meistens ist es ja so dass Menschen mit Impostersyndrom sehr gute Leistungen erzielen objektiv gesehen.

00:02:40: Aber meistens haben die wirklich so hohe Ansprüche und haben den Fokus eher darauf, was sie bereits noch nicht können oder noch nicht gut machen anstatt was sie bereits können.

00:02:50: Und ja also deswegen ist das der Fokus auf das, was irgendwie jemand gerade noch nicht kann.

00:03:00: Natürlich wenn dann etwas passiert, was nicht zu perfekt läuft, dann bin natürlich ich die Ursache dafür.

00:03:08: Ja klar!

00:03:10: Okay, das heißt also da steckt wahrscheinlich auch ein ziemlicher Perfektionismus dahinter oder bei vielen die darunter leiden.

00:03:17: Kann man das so sagen?

00:03:18: Das kann man eigentlich so sagen, es ist wirklich ein Perfektionsdrang beim Menschen mit Impostersyndrom.

00:03:26: Es geht immer besser, es ist ein Optimierungszwang vielleicht sogar.

00:03:35: Wenn ich jetzt mal in die konkrete Situation reingehe.

00:03:38: Ich sitze im Meeting, jemand stellt mir eine Frage und in meinem Kopf ist nichts als gähnende Lehre – komplettes Blackout!

00:03:45: Wie kann ich da in diesem Moment reagieren ohne dass es dann peinlich wird?

00:03:51: Ja erstmal ist es ganz wichtig zu wissen, dass das einfach gar nicht peinlich ist.

00:03:55: Weil sowas passiert uns allen immer wieder, auch Menschen, die sehr erfahren sind.

00:03:59: ja also es ist etwas was einfach passieren darf und es geht weniger darum dass man das irgendwie versucht zu vermeiden oder zu verhindern so ein Blackout.

00:04:06: Es geht mehr darum wie ich eben damit umgehe.

00:04:09: Und ja, da ist es irgendwie ganz wichtig sich Zeit zu schaffen in dem Moment.

00:04:14: Zeit zu kaufen weil in den Moment ist der Körper so ein bisschen auf Stressalarm aus und da fällt einem so der Zugang zu dem Wissen, das ich bereits habe, noch nicht so ein.

00:04:27: Das heißt das wichtigste ist dass ich quasi Zeit gewinne?

00:04:30: In diesem Moment wie mache ich das denn?

00:04:32: Konkret.

00:04:33: Also welche Möglichkeit habe ich da einfach?

00:04:35: Ich kann ja nicht, wenn ich jetzt schon eine Frage gestellt bekomme von meinem Gegenüber dann kann ich ja nicht einfach drei Minuten abwarten bevor ich dann antworte irgendwas muss hier tun.

00:04:43: Ja Ganz genau, da gibt es eben so Notfallsätze die man parat haben kann.

00:04:48: Man kann sich ja vorbereiten, man kann erst mal tief ein- und ausatmen oder man kann dann zum Beispiel eine Frage stellen oder einen Satz sagen wie das ist ne gute Frage.

00:04:57: darüber muss ich kurz nachdenken.

00:04:59: Allein das reicht schon dass ich so ein bisschen wieder ins Hier und Jetzt komme und wieder mehr Zugang zu dem Wissen habe einfach.

00:05:06: Dass ich dann auch irgendwie auf den Satz oder irgendwas anfangen kann.

00:05:10: Das heißt Entschuldige, dass ich dich unterbreche.

00:05:12: Wenn ich mal angefangen habe zu sprechen dann bin ich schon mehr im Hier und Jetzt als wenn ich einfach nur still dort sitze und gar nichts mache und wie ein Kaninchen im Scheinenwerferlicht sozusagen ich mich nicht mehr bewegen kann.

00:05:25: Genau, dann wird es irgendwie noch unangenehmer für einen wenn das so ein peinliches Stille entsteht sozusagen

00:05:31: Ja, Schweigen ertragen wir halt nicht so gut.

00:05:34: Du hast jetzt gerade gesagt: Es gibt Notfallsätze die funktionieren können.

00:05:40: Welche können das zum Beispiel sein?

00:05:42: Genau also den einen habe ich eh schon erwähnt das ist der:

00:05:46: "Das ist eine gute Frage, 

00:05:47: lass mich kurz darüber nachdenken oder ich muss mal kurz darüber nachdenken."

00:05:51: Das zeigt auch, dass man die Frage sehr ernst nimmt und es kommt überhaupt nicht inkompetent rüber.

00:05:56: Der zweite wäre, man kann so einen Satz beginnen:

00:05:59: "Aus meiner Perspektive heraus..." Wenn man sich ein bisschen unsicher ist dann kann ich ja auch so ein bisschen aus meiner Perfektiv heraus sprechen.

00:06:06: das lässt doch noch Raum offen für andere Optionen sozusagen und nimmt auch den Druck raus bei einem selbst.

00:06:14: Der dritte wäre, dass wenn man einfach merkt, man weiß es wirklich nicht oder hat jetzt gerade keine Antwort parat dann ist es ja völlig okay zu sagen "das weiß ich grad aktuell nicht".

00:06:22: "Ich würde aber gerne nachher einfach noch dazu mehr lesen oder recherchieren. Und ich werde dann drauf noch zurückkommen."

00:06:29: Also das kann man dann auch einfach so sagen.

00:06:30: also erwartet eigentlich beim Meeting niemand, dass man da jetzt spontan voll perfekt reagiert.

00:06:36: Das kennen wir alle.

00:06:37: Wir wissen es ist eine besondere Situation und man darf das einfach auch so sagen.

00:06:43: Das heißt, ein Meeting ist eigentlich wie eine Art Bühne oder auf der wir stehen und wo wir unsere Rollen eben ausüben können.

00:06:51: Aber es ist nichts wovor man wirklich Angst haben muss eigentlich. Ganz provokant gefragt: Ist das im Impostesyndrom nicht manchmal auch berechtigt?

00:07:03: Also was ist, wenn ich jetzt wirklich zu wenig kompetent bin und das nicht nur annehme aufgrund meines Perfektionismus?

00:07:11: Ja, natürlich gibt es Phasen im Leben wo man einfach merkt ich brauche da noch Zeit.

00:07:18: Ich muss dann noch lernen und das ist zum Beispiel meistens so wenn ich irgendwie einen Beruf befördert werde oder gerade eine neue Stelle antrete, dann ist es zum Beispiel völlig normal zu sagen okay ich bin da jetzt nicht soweit, ich brauch noch Zeit und muss ein bisschen nachfragen.

00:07:32: Genau!

00:07:33: Das wäre jetzt ein Zeichen dafür dass man sagt ok was kann ich tun?

00:07:36: Es motiviert ja auch einen.

00:07:38: Also so ein Gefühl von Unsicherheit nichts Negatives ein ist, sondern nur okay was kann ich noch tun um zu mehr Informationen zu kommen dass sich mich irgendwann mal routiniert oder sicherer fühl?

00:07:49: also von dem her es ist ja es ist jetzt nicht wirklich ein Zeichen davon das man weniger kompetent ist.

00:07:56: Es ist einfach nur einen Moment, in dem ich für mich selbst reflektiere und realisiere dass ich gerade einfach noch mehr brauche.

00:08:04: genau

00:08:07: Eine Anschlussfrage würde ich dir gerne noch stellen:

00:08:09: Das Impostersyndrom ist ja soweit, ich weiß keine offizielle Diagnose.

00:08:15: Wenn ich jetzt mit den Maßnahmen die du gesagt hast, mit diesen Soforthilfe-Maßnahmen.

00:08:21: wenn mir die nicht ausreichen was wäre dann eigentlich eine weitere Hilfsmöglichkeit mit diesem Problem umzugehen?

00:08:30: Wenn ich merke, dass sich da echt gar nicht irgendwann zu dem Schluss kommen.

00:08:35: Dass ich ja eh also zu der Selbstreflexion komme und Wissen darüber habe was ich kann und was ich weniger gut kann und auch okay bin damit dann ist es natürlich schon so das da vielleicht starkes Selbstzweifel im Hintergrund liegen.

00:08:49: Es ist vielleicht auch so ein hoher Perfektionsdrang dahinter liegt.

00:08:55: Also das ist ja auch etwas was uns wirklich krass antreiben kann und dadurch entsteht natürlich schon ganz viel Stress- und Druck.

00:09:02: Und Leidensdruck vielleicht auch, ja weil es ist ja auch so dass man... Es ist ja also das es uns motiviert wenn wir ein Erfolgserlebnis haben und es gibt uns das Gefühl wie sind okay und wenn ich ständig das Gefühl habe irgendwie mache ich's nicht richtig dann ist es schon etwas was man vielleicht auch in einer Therapie ansprechen kann.

00:09:22: Das heißt wenn mir sozusagen das Impostersyndrom nicht hilft, mich besser vorzubereiten oder eben in diesen Situationen im Meeting die Notfallsätze nicht helfen.

00:09:32: Wenn das häufiger Auftritt oder ich quasi ständig davon betroffen bin dann ist es auch da eigentlich besser sich mal das professionell anzuschauen.

00:09:40: Ja genau!

00:09:41: Super ganz herzlichen Dank liebe Denise.

00:09:44: Danke.

00:09:45: auch ich hoffe es war was Hilfreiches dabei.

00:09:48: Das war auf jeden Fall hilfreich und mehr zu diesem Thema gibt's auf winestädtische.at/loslebenstories, abonniert uns und hört auch in unsere anderen Folgen rein.

00:09:59: von Schlafhacks bis Finanzangst ist alles dabei.

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