2.8 Austreibungsphase: Pressen oder schieben?
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00:00:03:
00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zum losleben.
00:00:14: stories Podcast der Wiener Städtischen.
00:00:17: Ich bin Maya McKechneay und spreche mit Erika Heimhilcher. Erika ist Hebamme- und systemische Coachin in Wien, das heißt, sie begleitet Frauen und Paare während der Schwangerschaft und auch danach.
00:00:28: Schön, dass du da bist, Erika.
00:00:32: Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ja, in der achten Folge - wir nähern uns ja schon dem Finale - geht's um die sogenannte Austreibungsphase.
00:00:38: Erika, das klingt für mich altertümmlich - fast kriegerisch.
00:00:42: Was ist denn damit eigentlich gemeint?
00:00:45: Ja, damit ist eigentlich die aktive Phase gemeint, obwohl jede Phase ja aktiv ist.
00:00:51: Aber hier geht es ja ums Mitschieben und den Moment, wo ich als Frau wirklich aktiv am Prozess teilnehmen soll.
00:01:02: Du sagst jetzt "schieben", in Filmen sieht man ja immer oder es wird immer gesagt "pressen, pressen".
00:01:07: Das würdest du nicht mehr sagen sondern du würdest sagen "schieben"?
00:01:10: Ja, ich persönlich finde "pressen" klingt so hart. Und mitschieben ist für mich mehr ... das stellt den Prozess besser dar weil es ist so ein:
00:01:21: Ich unterstütze mit meiner Kraft das Baby.
00:01:25: Da geht was voran, oder?
00:01:26: Genau und dieses pressen ist so...das klingt wirklich hart.
00:01:31: Nach "Pressure"?
00:01:33: Ja, nach Pressure.
00:01:35: Es geht was voran.
00:01:36: die Mutter schiebt und das Baby ist aber dabei nicht passiv, sondern das tut auch was.
00:01:41: Die meiste Arbeit wird sowieso vom Baby erledigt.
00:01:44: Aber in dem Moment ist man auf sich selbst fokussiert.
00:01:49: In dieser Phase geht's um das Tiefertreten des Kindes ja... ...in der aktiven Phase und am Schluss endlich die Geburt!
00:02:00: Die zweite Phase ist, wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist, bis zur Geburt des Kindes.
00:02:06: Wieder hier jetzt laut Definition, um einen Richtwert zu haben, für sich selbst sind das zwei bis drei Stunden.
00:02:13: aber das aktive Mitschieben würde ich sagen, sind in etwa so eine Stunde bei den Erstgebärenden.
00:02:22: In etwa. Mehrgebärend.
00:02:24: Ganz anders.
00:02:26: Das Baby richtet sich jetzt also im Geburtskanal so aus, dass es möglichst gut durch die Öffnung passt.
00:02:32: Und was man vielleicht dazu noch sagen muss.
00:02:35: Das hat ja einen von der Natur vorbereiteten Schädel, der noch weich ist.
00:02:40: Die Fontanellen sind noch nicht geschlossen.
00:02:42: Das ist auf gewisse Art flexibel.
00:02:44: Da kann der Kopf kleiner werden, um da eben durchzupassen und das leichter zu machen für die Mutter und für das Baby, dass durchgleitet.
00:02:53: Also das passiert jetzt in diesem Moment.
00:02:55: Genau!
00:02:55: Die Schädelplatten schieben sich übereinander und so passt der Kopf durch das Becken hindurch.
00:03:01: Also manchmal motiviert man ja die Frauen zum Prozess des Mitschiebens, dass man sagt, sie sollen vielleicht auch einmal selbst tasten.
00:03:08: Dass man wirklich spürt, das Baby bewegt sich, der Kopf bewegt es sich, immer mit dem Nachsatz: Rechne aber jetzt bitte nicht mit dem Kopf, also mit dem, dass du einen Kopf ertastest, weil viele schrecken dann zurück so, oh Gott,
00:03:24: warum ist das so weich?
00:03:26: Aufgrund dessen dass sich die Schädelplatten übereinander schieben können und das auch tun,
00:03:31: ist das ganz weich?
00:03:32: Ja. Jetzt nicht wie der herkömmliche Schädel.
00:03:35: Dieses Rauskommen des Babyes, das Rausgleiten, wie fühlt sich das für die Mutter an in dieser Phase?
00:03:41: Also
00:03:41: am Beginn ist es vielleicht noch nicht so intensiv spürbar, aber desto weiter das Baby im Becken runterrutscht desto intensiver wird einmal das Druckgefühl.
00:03:56: Genau dieses Gefühl kann man sich vorstellen, ist genau mit dem vergleichbar, wie wenn man groß zur Toilette muss.
00:04:03: Dann ist da einfach schon ein massiver Druck da und mit dem immer Tiefertreten des Kopfes wird dieser Druck auch mehr und man muss dem nachgehen, dem Druckgefühl das man da wirklich aktiv mitschiebt.
00:04:19: Das ist unmöglich fast, dass man das zurückhält. Und wird natürlich auch, wie schon erwähnt immer intensiver und intensiver.
00:04:28: Man spürt das auch richtig, wie der Kopf vorkommt.
00:04:32: Also einfach weiter runterrutscht und in der Wehenpause dann wieder zurückgeht.
00:04:37: Ich sag immer: zwei Schritte vor einer zurück.
00:04:40: Es ist ja auch wichtig, dass das Gewebe sich langsam dehnt.
00:04:45: Schieben tut die Frau nur während die Wehen da sind, warum ist das so?
00:04:50: Weil
00:04:50: die Kraft der Gebärmutter auch sehr wichtig ist,
00:04:56: mitwirkt und das Baby auch automatisch runter schiebt.
00:05:00: Und außerhalb der Wehe wird es jetzt gar keinen Sinn ergeben, weil diese Kraft der Gebärmutter einfach wahnsinnig unterstützend ist.
00:05:09: Das ist ein Stop-and-Go!
00:05:10: Das heißt ja in der Wehenpause, da kann die Frau einmal durchatmen, vielleicht doch einen Schluck Wasser trinken, ein Gespräch führen und dann geht's wieder weiter.
00:05:18: Ist das so?
00:05:19: Genau, richtig.
00:05:20: Also wie eh schon gesagt, zwei Schritte vor, einer zurück und wichtig ist eben sich in diesen Wehenpausen kurz zu erholen und mit voller Kraft in die nächste Wiehe zu starten.
00:05:31: Oftmals denkt man im Vorhinein wenn man an eine Geburt denkt, als Frau, dass diese Phase die schmerzhafteste Phase ist.
00:05:39: Dem ist aber überhaupt nicht so, weil man aktiv daran teilnehmen kann.
00:05:44: Ja und das ist schon einmal erleichternd, und auch diese Motivation, dieses Wissen – mein Baby ist jetzt tatsächlich bald geboren.
00:05:57: Hilft ungemein!
00:05:58: Also die meisten sind wirklich überrascht darüber, wie fast erleichtern diese Phase ist.
00:06:07: Es ist so: Okay, ja, endlich kann ich was machen und ich spüre den Fortschritt indem der Kopf eben tiefer tritt und das motiviert.
00:06:16: Auch in der Phase gibt es ja manchmal Hilfestellungen, also wie kannst du da unterstützend eingreifen?
00:06:22: Man kann einmal unterstützen, indem man schaut in welcher Position die Frau für sich gut mitschieben kann.
00:06:29: Gut mitarbeiten und mitwirken kann
00:06:31: ganz unterschiedlich, ja?
00:06:33: Also es muss nicht immer in der Rückenlage sein.
00:06:36: Es gibt ganz viele unterschiedliche Positionen, in denen man gebären kann: sei es im Hocken, im Vierfüßler stehend knieend, sich wirklich durchzuprobieren.
00:06:49: Leider sind in unseren Köpfen so sehr, ist diese Rückenlage manifestiert.
00:06:57: Aber Gott sei Dank wird das jetzt eher ein bisschen aufgelockert, indem schon in Büchern andere Bilder abgebildet sind und im Filmen leider noch nicht.
00:07:08: In Filmen ist auch immer die Rückenlage aber sich einfach da durchzuprobieren also das kann schon einmal sehr gut helfen.
00:07:15: Genau: Bewegung und natürlich die Unterstützung von der Begleitperson.
00:07:21: Ja, das kann ganz hilfreich sein.
00:07:26: Erika jetzt sind wir eigentlich beim Highlight angelangt!
00:07:29: Das Baby ist endlich... Es ist jetzt herausgekommen, es hängt noch an der Nabelschnur.
00:07:37: Du hast das rund tausendmal persönlich erlebt.
00:07:40: Kannst du ein bisschen erzählen wie es dir dabei geht?
00:07:42: Wie ist dieser Moment?
00:07:43: Wie fühlt sich das an?
00:07:45: Also ich nehme an, du spürst dann auch diese unendliche Erleichterung bei allen!
00:07:50: Ja, also abgesehen von den Eltern, aus Hebammensicht ist es auch für uns eine Erleichterung.
00:07:56: Dieses: Okay es ist alles gut gegangen.
00:07:58: Ich bin jetzt nicht gläubig, aber ich glaube auch an den Geburtsgott in dem Fall, der mir Gott sei Dank immer beigestanden ist, weil man hat natürlich eine Verantwortung über zwei Menschen als Hebamme.
00:08:11: Das darf man nicht vergessen.
00:08:13: Und das ist auch so ein Abfall von diversen Hormonen, gepaart mit einem Oxytocin-Schub.
00:08:22: Also einerseits diese Erleichterung und andererseits dieses manchmal als würde die Zeit kurz stillstehen.
00:08:28: Das ist wirklich so... Es ist magic ja!
00:08:31: Auch nach all diesen vielen Geburten ist es noch immer etwas ganz, ganz Besonderes für mich geblieben und das macht diesen Beruf auch so wunderschön.
00:08:43: Danke dir sehr, Erika.
00:08:45: Wie es weiter geht, nach diesem ganz besonderen Moment, welche Rolle die Väter in dieser Situation spielen und wie Eltern mit ihrem Frischgeborenen bonden,
00:08:53: das erfahrt ihr dann in den letzten beiden Folgen.
00:08:56: Bis dahin danke!
00:09:00: Und zum Schluss wie immer unsere Bitte: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann empfehlt uns auf jeden Fall weiter. Hinterlasst uns ein Like. Und: abonnieren nicht vergessen!
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