2.6 Wie halte ich die Geburtsschmerzen aus?

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00:00:03:

00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zum losleben.

00:00:14: stories Podcast der Wiener Städtischen.

00:00:16: Ich bin Maya McKechneay und spreche mit Erika Heimhilcher, Erika ist Hebamme- und systemische Coachin in Wien.

00:00:22: Das heißt, sie begleitet Frauen und Paare während der Schwangerschaft und auch danach.

00:00:27: Schön, dass du bei uns bist Erika.

00:00:29: Danke für die Einladung.

00:00:31: Ja, Erika heute sprechen wir über ein besonderes Kapitel, das ganz wichtig ist.

00:00:35: Weil das auch eine Frage ist, die sich viele Frauen stellen und die darauf Einfluss hat, wie man einer Geburt entgegenschaut und zwar die Frage: Wie halte ich die Geburtsschmerzen aus?

00:00:46: Das ist wahrscheinlich auch eine Frage, die du sehr oft von Patientinnen gestellt bekommst?

00:00:51: Was sagst du ihnen dann?

00:00:53: Spannenderweise

00:00:54: kommt diese Frage relativ spät erst, weil zu Beginn ist es in der Schwangerschaft ja ganz weit weg und überhaupt nicht greifbar.

00:01:03: Und desto näher der Geburtstermin rückt, desto greifbarer wird das,

00:01:07: das Thema Geburtsschmerzen. Es ist ganz unterschiedlich, also einerseits ist ja auch die Hormonausschüttung ganz wichtig.

00:01:15: Also wir schütten unter der Geburt sehr viele Hormone aus, die auch unterstützend wirken können, wie Endorphine und Oxytocin.

00:01:25: Ich sage immer: Am besten offen in das Ganze hineinstarten, weil man nicht weiß wie sich das anfühlt und wie ich selbst damit umgehe.

00:01:34: Aber man kann sich da hocharbeiten, beginnend mit Wärme.

00:01:38: Atmen kann auch unterstützen sein und gibt es auch Schmerzmittel bis hin zur PDA, zu dem Kreuzstich.

00:01:46: Vielleicht gehen wir jetzt auf diese Möglichkeiten, die du gerade genannt hast auch im Detail ein.

00:01:51: Das ist ja jetzt auch wie so eine Skala gewesen, was du gerade aufgezählt hast, mit dem wo man beginnt, wenn die Schmerzen noch relativ milde sind,

00:01:59: kannst du mal erzählen, wie du da mit den Frauen durchnavigierst während der Geburt?

00:02:04: Also wichtig ist einmal, jede Frau dort abzuholen, wo sie gerade steht.

00:02:08: Ja es ist ganz ganz unterschiedlich.

00:02:11: Manche brauchen wirklich so diese aktive Unterstützung für andere ist es schon ausreichend zu wissen, es ist jemand da.

00:02:18: Aber eigentlich bin ich gerne alleine und möchte mich zurückziehen, was ja auch sehr normal ist, im Geburtsprozess und immer wieder Ideen und Möglichkeiten zu liefern, wo sie's wirklich selbst aussuchen kann, sagen: Okay das probiere ich mal aus oder jenes fühlt sich derzeit richtig an für mich.

00:02:35: Viele Frauen denken, Wasser ist so ihr Element zu Beginn.

00:02:40: Also wenn man jetzt noch gar nicht in dem Prozess drinnen ist, aber oftmals ist es das dann auch gar nicht.

00:02:45: Also durchprobieren und natürlich auch den Partner oder die Partnerin mit einbeziehen, die ja auch in Form von Massagen unterstützen können.

00:02:56: Da gibt's wirklich eine Bandbreite

00:02:58: Mit Wasser.

00:02:59: meinst du jetzt die Geburtsbadewanne, die in manchen Krankenhäusern oder Geburtstationen zur Verfügung steht?

00:03:05: Genau.

00:03:05: Aber auch schon zu Hause duschen, falls man jetzt keine eigene Badewanne zur Verfügung hat, geht es ums Wasser und das warme Wasser und es soll auch warm sein, weil kaltes Wasser hemmt wieder die Wehentätigkeit.

00:03:19: Wie ist denn das mit Bewegung?

00:03:20: Wahrscheinlich dann in der späteren Phase kommt es nicht mehr so in Frage, aber man kann sich ja auch verlagern und vielleicht anders hinsetzen, hinstellen, hinlegen.

00:03:31: Und dass das die Schmerzen lindert.

00:03:33: Bewegung ist immer wichtig – Geburt ist ein dynamischer Prozess!

00:03:37: Deswegen bewegen, bewegen, bewegen ... Ganz, ganz wichtig, um auch das Baby in dem ganzen Prozess zu unterstützen. Und da immer wieder neue Positionen auszuprobieren und schauen, was sich für einen selbst gut anfühlt.

00:03:52: Natürlich wird man nie die Idealposition finden, wo alles super ist!

00:03:58: Aber einfach schauen, vielleicht ist es mal etwas ganz anderes an das man vorher noch nie gedacht hat.

00:04:04: Wichtig ist auch zu erwähnen, es sind immer so vornübergebeugte Positionen hilfreich, wo man einen runden Rücken macht um das Baby bestmöglich zu unterstützen, in das Becken zu rotieren.

00:04:17: Jetzt gibt es noch eine andere Möglichkeit: Akupunktur.

00:04:20: Wie ist das während der Geburt?

00:04:22: Kann das da auch eingesetzt werden und Schmerzen lindern?

00:04:26: Also da muss ich zu Beginn sagen, ich habe jetzt selbst nicht die Akkupunkturausbildung.

00:04:30: Aber schmerzlindernd hätte ich das noch nie erlebt bei meinen Kolleginnen.

00:04:35: Die Akkupunktur ist jetzt nicht für die Geburt selbst gedacht zur Schmerzreduktion sondern zur Geburtsvorbereitung und sie kann dann auch gut helfen in der Nachgeburtsphase.

00:04:49: Aber jetzt Schmerzen: reduzierend leider

00:04:52: nein.

00:04:53: Gehen wir mal zu den Maßnahmen, die dann wirklich das Ärzte-Team setzt.

00:04:57: Da ist ja eine der schmerzlindernden Maßnahmen die PDA – wofür steht denn das eigentlich?

00:05:02: Peridural-Anästhesie, besser bekannt, glaube ich, als Kreuzstich.

00:05:07: Glaube, die meisten sagen so Kreuzstich dazu, oder?

00:05:09: Ja, PDA!

00:05:10: Die PDA ist hilfreich ab einer gewissen Phase, also wichtig ist, dass schon eine gewisse Dynamik im Geburtsprozess da ist.

00:05:20: Also jetzt nicht allzu früh, weil es nimmt schon etwas raus von der Geburtsdynamik und deswegen sollte die nicht zu früh gesetzt werden.

00:05:29: Man sagt so ab einer Muttermundöffnung von zwei, drei Zentimetern genau. Die PDA-Rate,

00:05:35: die ist ja auch immer ganz spannend.

00:05:36: Wie Geburtshilfe in allen Ländern ganz ganz unterschiedlich ist, hatten wir ja schon einmal zum Thema.

00:05:42: In Frankreich liegt die PDA-Rate bei 80 bis 90 Prozent und in Österreich circa 30 Prozent, aber da ist auch ein großer Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Spitälern.

00:05:55: Woran könnte das liegen, glaubst du?

00:05:57: Also auch der Unterschied zwischen Frankreich und Österreich?

00:05:59: Eine andere Geburtskultur, eine andere Einstellung zur Geburt.

00:06:03: Jetzt ist meine Frage an dich.

00:06:05: Du erlebst ja beide Versionen: Frauen, die eine PDA haben und Frauen, die darauf verzichten. Wie erlebst du das? Also: Tun die sich schwerer,

00:06:12: die Frauen, die drauf verzichten? Ist das eine merkbare Erleichterung, wenn man eine hat?

00:06:17: Es kommt wirklich

00:06:17: ganz auf die Situation drauf an, also das ist, wie auch Geburt beginnt.

00:06:23: Ja, ich erleb so oft, dass Frauen das im Vorfeld vergleichen, diese PDA ganz gerne.

00:06:29: Meine Freundin hatte das, die hatte das nicht, und deswegen möchte ich das vielleicht - weiß ich nicht - entscheide mich für den oder jenen Weg. Um ihnen das ein bisschen greifbarer oder verständlicher zu machen, dass das sehr schwierig ist im Vorfeld zu entscheiden,

00:06:46: gebe ich immer ganz gerne das Beispiel,

00:06:48: es kommt schon darauf an wie Geburt startet.

00:06:51: Wenn sie startet mit regelmäßiger Wehentätigkeit und ich komme ins Krankenhaus, mein Muttermund ist bereits zu fünf Zentimeter offen, dann vermutlich wird die PDA für mich nicht so ein großes Thema werden.

00:07:04: Aber beginnt das Ganze mit Blasensprung, ohne Wehentätigkeit, ich warte mal vierundzwanzig Stunden.

00:07:11: Es tut sich nichts!

00:07:13: Ich werde dann medikamentös eingeleitet.

00:07:16: Ich bin schon müde vom Warten.

00:07:18: Dann ist eher der Weg zu einer PDA da als andersrum.

00:07:24: Vielleicht ganz technisch noch.

00:07:25: Zu Beginn einer Geburt, normalerweise kriegt man einen Tropf gelegt auf der Oberseite der Hand?

00:07:31: Ein venöser Zugang!

00:07:32: Genau das ist einfach zur Sicherheit oder bei Blutverlust dass man schnell Flüssigkeit anhängen kann.

00:07:39: Ja, das ist eigentlich mehr aus einer Sicherheit heraus und das ist doch eher eine Routine im Krankenhaus.

00:07:46: Das

00:07:46: heißt da würden dann normale Schmerzmittel zugeführt

00:07:49: über diesen Tropf?

00:07:50: Genau, es gibt ja auch intravenöse Schmerzmittel. Genau, die können auch so

00:07:55: zu... Aber die PDA, die ist nicht vorzubereiten,

00:07:58: sondern sie wird nur wenn die Frau sich das dann wirklich wünscht, genau in dem Moment auch gelegt?

00:08:02: Genau!

00:08:02: Das ist ja auch nicht über den venösen Zugang, sondern das ist ja wirklich hinten im Lendenwirbel-Bereich entweder zwischen Lendenwirbel drei vier oder Lendenenwirbel vier fünf.

00:08:14: Genau wie kann ich mir denn den Vorgang vorstellen?

00:08:17: Es ist manchmal ein bisschen ein schwieriger Vorgang, weil man sehr ruhig sitzen muss.

00:08:22: Die Fachperson von der Anästhesie braucht wirklich Ruhe,

00:08:26: deswegen wird das meist in einer Wehenpause gestochen.

00:08:29: Also zuerst bekommt man

00:08:31: ein

00:08:31: Lokal-Anästhetikum, um den Bereich zu betäuben und dann wird die PDA gelegt, so nennt man das.

00:08:39: Es wird dann so ein Katheter gelegt,

00:08:41: also muss man sich vorstellen einen ganz dünnen Plastikschlauch, der dann bleibt.

00:08:45: Ja, es wird alles ganz sicher zugeklebt, man kann weiterhin am Rücken liegen,

00:08:50: über diesen Katheter kann dann immer wieder in das Schmerzmittel nachgereicht werden, weil die Wirkdauer ist ca.

00:08:57: ein bis eineinhalb Stunden und nachdem der Geburtsprozess doch länger dauern kann, würde man dann wieder nachspritzen.

00:09:08: Ja so kann man sich das vorstellen.

00:09:10: Das heißt, es gibt immer einen Plan B, wenn man im Krankenhaus die Geburt hat. Bei der Hausgeburt

00:09:15: gibts den in der Form natürlich nicht?

00:09:18: Nein!

00:09:18: Aber ich weiß, es gibt ein Backup, wenn ich wirklich starke Schmerzen habe.

00:09:22: Auch bei einer Hausgeburt ist ja nicht so, dass ich dann dort bleiben muss.

00:09:26: Wenn ich als Frau merke, okay dieses Setting passt für mich nicht mehr, dann kann man immer ins Krankenhaus fahren.

00:09:34: Also das ist ja auch nicht in Stein gemeißelt.

00:09:35: Das finde ich auch ganz wichtig zu erwähnen.

00:09:38: Wenn ich merke, ok nein dieses Setting ist für mich nichts, oder aus anderen Gründen, wir müssen die Geburt verlegen, ja dann wird das auch gemacht.

00:09:47: Wichtig ist immer bei einer Hausgeburt, um das jetzt hier auch zu erwähnen, ist seine Grenzen zu kennen als Hebamme.

00:09:54: Ja, und im richtigen Moment zu verlegen.

00:09:57: Erika, gibt es noch irgendwas was du über die Gesamtlage sagen kannst?

00:10:01: Warum ist es eigentlich so, dass Frauen dann diese Schmerzen... Es gibt ja eine Schmerzskala von null bis zehn und da ist der Geburtsschwert schon ganz weit oben.

00:10:10: Ich glaube auf neun.

00:10:11: Ist das richtig?

00:10:12: Wie kommt das, dass Frauen das eigentlich doch gut durchhalten?

00:10:17: Eben durch diese Hormon-Ausschüttung und die Vorfreude dieses

00:10:22: Ich arbeite ja auf etwas hin.

00:10:24: Es ist mit einem positiven Ergebnis verbunden, es ist jetzt nicht Schmerzen wie Operation Blinddarm, um irgendwas zu nennen.

00:10:33: Das ist ja ein Prozess, und dieser Prozess des Schwangerseins der Geburt mit dem Ende,

00:10:41: mein Baby liegt auf mir. Und das ist schon sehr hilfreich. Die Schmerzen besser ertragen zu können.

00:10:49: Und jeder geht ganz anders damit um. Es ist schon für viele, ist die Atmung und Wasser eine gute Schmerzerleichterung.

00:10:59: Andere wiederum greifen auf eine PDA zurück.

00:11:04: Aber wichtig hier zu erwähnen, es ist kein Wettkampf untereinander und was ich sehr oft im Kreißzimmer erlebt habe, dieses:

00:11:13: Ich bin so schwach, wenn man sich für eine PDA entscheidet, dass dieser Satz von der Frau kommt, wo ich mir denke nein!

00:11:20: Es hat nichts mit Schwach-Sein zu tun.

00:11:22: Es ist das, was du jetzt gerade brauchst.

00:11:26: Das heißt, man soll sich auch einfach trauen, das anzunehmen, wenn's zu viel wird?

00:11:31: Natürlich, wenn es das ist, was ich jetzt benötige.

00:11:34: Also, es ist spannend, dass das immer auf Geburt bezogen so ein großes Thema ist.

00:11:40: Wenn es um diese Schmerzmedikation geht und bei einem Zahnarztbesuch würde das niemand rechtfertigen.

00:11:48: Ich danke dir, dass du da auch den Frauen Mut machst, auf sich selber zu hören.

00:11:52: Und ich glaube das ist ganz wichtig, dass man sich nichts einreden lässt und merkt was man wirklich braucht in dem Moment.

00:11:58: Nachdem wir jetzt das schmerzhafteste Kapitel von diesem Podcast hinter uns gebracht haben, geht es in der nächsten Folge weiter mit der Frage: Was passiert in der Eröffnungsphase?

00:12:10: Zum Schluss

00:12:10: wie immer unsere Bitte: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann empfehlt uns auf jeden Fall weiter. Hinterlasst uns ein Like. Und: abonnieren nicht vergessen!

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