2.3 Vaginale Geburt und Kaiserschnitt: Welche Möglichkeiten gibt es?
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00:00:03:
00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zum losleben.
00:00:14: stories Podcast der Wiener Städtischen.
00:00:17: Ich bin Maya McKechneay und spreche mit Erika Heimhilcher.
00:00:20: Erika ist Hebamme- und systemische Coachin in Wien. Das heißt sie begleitet Frauen und Paare während der Schwangerschaft und auch danach.
00:00:28: Schön, dass du bei uns bist, Erika!
00:00:30: Danke für die Einladung, lieber Maya.
00:00:32: Ja, Erika in Folge 3 sprechen wir darüber, welche Möglichkeiten der Geburt es gibt.
00:00:38: Also, welche Gespräche führst du zu diesem Thema mit Schwangeren und Paaren?
00:00:43: Das Wichtigste ist, Offenbleiben für alles – für jedes Ende ist so das Wichtigeste!
00:00:50: Und gar nicht in der Planung ins Detail zu gehen.
00:00:54: Sag immer, desto detaillierter meine Planung bist, desto eher werde ich enttäuscht.
00:01:00: Aber klar, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Form passt besser für mich?
00:01:06: Der geplante Kaiserschnitt
00:01:09: oder
00:01:09: der Versuch einer Spontangeburt.
00:01:13: Jetzt hast du schon angedeutet, dass du den Begriff Kaiserschnitt nicht so liebst also du würdest ihn für dich nicht verwenden.
00:01:21: und du bist auch kein Fan des Begriffs "natürliche Geburt".
00:01:24: Warum ist das so?
00:01:25: Ja, ich meine die Wortwahl ist ja prinzipiell sehr wichtig, weil Sprache sehr prägend ist und sehr mächtig.
00:01:34: Mit natürlicher Geburt gebe ich den Frauen das Gefühl... Irgendwie eine vaginale Geburt ist das einzig Richtige, weil es das Natürliche ist.
00:01:45: Und Kaiserschnitte ist ja auch ein sehr medizinisch behafteter Begriff und Bauchgeburt gibt einem doch mehr das Gefühl, dass es auch eine Geburt ist, und beides ist ja auch eine Geburt.
00:01:58: Für mich ist es einfach wichtig nicht zu werten, und dass am Ende die Frau mit dem zufrieden ist, wofür sie sich entschieden hat.
00:02:07: Ich sage mir, es ist nicht meine Geburt als Hebamme.
00:02:10: Mein Ziel ist, dass die Frau glücklich nach Hause geht und auf ein positives Erlebnis zurückblickt und einfach gerne an die Geburt zurückdenkt.
00:02:21: Und sei es jetzt die vaginale Geburt oder die Bauchgeburt.
00:02:26: In Österreich ist es so, dass wir eine Kaiserschnittrate – ich sage jetzt weiter diesen Begriff weil das der geläufige ist -
00:02:31: , haben wir eine Kaiserschnittrate von rund 30 Prozent.
00:02:34: Das heißt ungefähr eine von drei Frauen bringt ihr Kind mit einem Kaiserschnitt auf die Welt.
00:02:39: Das sind aber nicht alles Wunschkaiserschnitte oder?
00:02:42: Nein, entweder ist ein Wunschkaiserschnitt oder ein sekundärer Kaiserschnitt.
00:02:48: Sekundärer Kaiserschnee bedeutet: aus der Geburtssituation heraus
00:02:53: entschieden, kann aus unterschiedlichsten Gründen sein und da gibt es wieder zu unterscheiden ein Ampelsystem:
00:03:02: Oftmals wird gesagt, okay wenn es aus der Geburtssituation heraus entschieden worden ist, hat die Frau hat einen Notkaiserschnitt.
00:03:10: Ich möchte den Frauen dieses Erlebnis nicht absprechen, aber es ist wichtig zu wissen,
00:03:15: es gibt dieses Ampelsystem und Notkaiserschnitte kommen Gott sei Dank sehr selten vor.
00:03:21: Oftmals kann's ein eiliger sein, einfach eher zügiger. Aber das ist wichtig als Frau auch zu wissen, dass kommt nicht oft vor einem Notkaiserschnitt, weil das macht ja ganz viel mit mir, wenn ich denke, in einer Notsituation gewesen zu sein und auch mein Baby in einer gehabt zu haben.
00:03:41: Es gibt auch den Wunschkaiserschnitt, das heißt, es ist eine bewusste Entscheidung, dass man sagt: Ich möchte meine Geburt so durchführen.
00:03:50: Bist du dann auch involviert als Hebamme?
00:03:51: Also, hast du mit Frauen zu tun, die sich von dir begleiten lassen und sagen, sie möchten aber am Ende einen Wunschkaiserschritt haben?
00:03:58: Ja klar, gibt es auch, also und das ist aus den unterschiedlichsten Gründen. Vielleicht auch medizinische Gründe oder oftmals verbergen sich Ängste dahinter, Unsicherheiten.
00:04:12: Manchmal kann man die aber auch in Gesprächen gut nehmen, dass man wirklich versucht, die Frauen ganz wertfrei und neutral aufzuklären,
00:04:22: wenn sich das irgendwie manifestiert hat, durch die Geschichten, die man immer wieder hört von Familie, Freunden und so weiter.
00:04:30: Und manchmal kenne ich den Grund auch gar nicht, wenn ich merke, die Frau möchte diesen Grund auch nicht erzählen.
00:04:38: Ich sage immer: bei mir muss sich niemand rechtfertigen, überhaupt nicht.
00:04:41: Ich möchte keiner Frau das Gefühl vermitteln, sich rechtfertigend zu müssen.
00:04:46: Wenn sie die Entscheidung für sich getroffen hat, dann ist es auch gut so.
00:04:51: Dann gehen wir mal zur anderen Variante.
00:04:53: Du nennst es "vaginale Geburt", allgemeinen und
00:04:56: üblich ist, dass man sagt die "natürliche Geburt".
00:04:59: Was muss ich wissen, wenn ich mich für die entscheide?
00:05:04: Wichtig ist es, sich im Vorfeld gut zu informieren, über all die Möglichkeiten der Schmerzlinderung, die verschiedenden Geburtspositionen, die Möglichkeiten einer Wahlhebamme, Krankenhaushebamme.
00:05:18: So einfach: Was kann mir helfen, auf dem Weg einer vaginalen Geburt?
00:05:24: Was ich auch sehr wichtig finde, ist eine mentale Vorbereitung.
00:05:29: Wie komme ich mit den Schmerzen zurecht?
00:05:32: Die Geburtsdauer ist auch oftmals so angstmachend im Vorhinein, weil im Schnitt dauert die Geburt des ersten Kindes 12 bis 15 Stunden.
00:05:42: Im Vorfeld denkt man sich: Oh mein Gott, was mache ich in diesen 12 bis 15 Stunden?
00:05:47: Aber dann befindet man sich in so einer Bubble und alles ist irgendwie total verschwommen.
00:05:55: Die Zeit ist irgendwie überhaupt nicht greifbar, dass das ganz schnell vergeht. Aber das ist halt im Vorfeld gar nicht vorstellbar.
00:06:03: Und deswegen hier einfach wieder sich gut, sich zu informieren.
00:06:08: Sprechen wir auch kurz über die Vor- und Nachteile von vaginaler Geburt und Kaiserschnitt.
00:06:14: Da kursieren ja wahnsinnig viele Erzählungen.
00:06:20: Zum Beispiel ist ja ein Argument für einen Wunschkaiserschnitt, ich möchte nicht, dass ich da so überdehnt werde.
00:06:27: Wenn eine Frau dir so eine Frage stellt, was kannst du da sagen?
00:06:31: Dass man im Vorfeld auch schon Vorbereitungen treffen kann, dahingehend mit Dammmassagen oder so einem Beckenbodentrainer.
00:06:42: Ich finde sie immer ganz wichtig, sich in den letzten Wochen der Schwangerschaft bewusst mit dem Beckenboden auch zu beschäftigen, einfach um ein anderes Bewusstsein dafür zu bekommen, weil wann macht man das schon wirklich?
00:06:56: Und abgesehen von Dammrissen sind auch andere Geburtsverletzungen möglich.
00:07:02: Dammschnitte werden Gott sei Dank wirklich sehr selten durchgeführt, weil es auch besser ist, dass es reißt.
00:07:10: Weil es reißt genau dann dort wo es benötigt wird der Platz und auch genau so viel wie benötig wird.
00:07:17: Aber noch einmal auf die Ängste zurück zu kommen oder die Vor- und Nachteile und auch auf dem Beckenboden.
00:07:23: Man muss ja sagen, beim Beckenboden ist es oftmals so, dass es eine fehlende Rückbildung ist, warum es dann im Nachhinein Probleme gibt.
00:07:34: Die Rückbildung ist leider auch ein bisschen ein Stiefkind in dem ganzen Geburtsthema und das kann man Frauen sehr gut erklären.
00:07:44: Ich finde, wie bereits erwähnt, wirklich eine Aufklärung ist so wichtig.
00:07:48: Oftmals liest man einfach irgendwas. Einen Satz schnappt man auf. Aber es fehlt das große ganze Bild. Wie so ein Puzzlestück, aber das Puzzlestück gehört ja irgendwo hinein.
00:08:01: Und natürlich ein Vorteil der vaginalen Geburt ist, dass man viel schneller erholt ist.
00:08:09: Meist, das einhergeht mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer im Krankenhaus und geringerem Risiko an Infektionen, Blutungen... Aber was ich immer klarstellen möchte, ist, dass das nicht heißt: Nur das ist die einzige Lösung.
00:08:27: Ich glaube, wir haben das auch im Vorfeld schon gut miteinander besprochen.
00:08:31: Ich merke einfach diese zwei Seiten, wenn es um einen Kaiserschnitt geht.
00:08:36: Es gibt keine Mitte, es ist nur so ein Schwarz-Weiß-Denken und das wird am Rücken der Frauen ausgetragen.
00:08:45: Das ist wie die Stilldebatte, die ja zum Teil auch sehr dogmatisch geführt wird.
00:08:51: Genau und das möchte ich wirklich immer erwähnen, das ist mir ganz wichtig, es gibt nicht das eine ist besser oder das andere schlechter.
00:09:01: Jetzt gibt's ja neben dem Wunschkaiserschnitt auch Kaiserschnitte, die notwendig sind, weil zum Beispiel das Kind auf einer Art und Weise liegt, dass eine natürliche Geburt nicht möglich ist.
00:09:13: Was gibt es denn noch für Bedingungen die einen Kaiserschritt notwendig machen?
00:09:19: Zum Beispiel eine Plazenta praevia totalis oder marginalis, das ist wenn die die Plazenta, also der Mutterkuchen, ganz weit unten liegt.
00:09:31: Also tiefsitzend entweder den Muttermund teilweise oder ganz bedeckt. Ja, das ist einfach ein Risiko und das ist ein Grund für einen geplanten Kaiserschnitt.
00:09:44: Das sieht man am Ultraschall, nehme ich an,
00:09:46: dass die Lage so ist?
00:09:47: Genau, das sieht man im Ultraschall.
00:09:49: Oftmals erkennt man das in der Frühschwangerschaft, aber da kann es noch weiter hinaufwandern mit wachsender Gebärmutter kann sein und dass die Lage der Plazenta sich auch ändert.
00:10:01: Aber wenn das wirklich am Ende noch ist, dann ist das ein Grund für einen Kaiserschnitt, für einen geplanten. Weil du erwähnt hattest die Lage des Kindes, ja eine Querlage zum Beispiel ist auch eine Indikation.
00:10:16: Oftmals sagt man auch eine Beckenendlage also wenn der Popo unten ist, aber da gibt es auch andere.
00:10:23: Also auch Beckenendlagen können vaginal geboren werden.
00:10:28: Da muss man sich halt dann das richtige Geburtsteam suchen, mit dementsprechender Erfahrung.
00:10:34: Das ist nicht automatisch ein Grund für einen geplanten Kaiserschnitt.
00:10:38: Wie ist denn das mit Mehrlingsgeburten?
00:10:40: Auch das nicht.
00:10:41: Wenn der erste Zwilling, also der Führende, mit dem Kopf unten ist und der Zweite zum Beispiel mit dem Popo unten, dann kann man das vaginal versuchen, ja auch hier wieder mit dem dem entsprechenden Geburtsteam, dass wirklich hier eine gute Erfahrung hat.
00:11:00: Also Zwillingsgeburten müssen nicht automatisch ein Kaiserschnitt sein.
00:11:05: Und wie ist das mit der Größe des Kindes?
00:11:07: Ich erinnere mich an den Geburtsvorbereitungskurs, den ich gemacht habe.
00:11:12: Da gibt es dieses Modell mit der Babypuppe, wo gezeigt wird, wie sich das dreht und wie das dann doch durch den Geburtskanal passt.
00:11:19: Man denkt sich immer, wie geht's sich das jemals aus?
00:11:21: Gibt es denn den Fall, dass Babys wirklich so groß sind, dass es sich nicht ausgeht, dass man sagen muss na, da ist es schwierig, da wird es notwendig, einen Kaiserschnitt zu machen?
00:11:31: Ja, aber das zeigt sich eigentlich meistens erst im Geburtsverlauf.
00:11:34: Weil ich meine, die Gewichtsschätzungen sind ja Schätzungen.
00:11:38: Das ist ein Plus-Minus.
00:11:39: Man weiß es einfach am Ende nicht und ich habe schon so oft irgendwelche Fehleinschätzungen miterlebt.
00:11:47: Und dann also dieses Schädlbeckenmissverhältnis von dem gesprochen wird, ist eigentlich erst im aktiven Geburtsprozess wirklich zu erkennen, also gleich im Vorfeld
00:12:01: aufgrund dessen einen Kaiserschnitt zu planen, würde ich jetzt nicht empfehlen.
00:12:06: Wenn man es sich nicht wirklich wünscht?
00:12:08: Genau!
00:12:08: Natürlich man es sich nicht wirklich wünscht. Weil sonst passt es ja eh.
00:12:11: Gut in Episode 4 wird es gehen um das Thema: Was passiert in den letzten Wochen der Schwangerschaft?
00:12:19: Der Countdown läuft.
00:12:21: Und zum Schluss wie immer unsere Bitte: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann empfiehlt uns auf jeden Fall weiter, hinterlasst uns ein Like, und: abonnieren nicht vergessen!
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