2.2 Wo und wie kommt mein Kind zur Welt?

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00:00:03:

00:00:11: Hallo und herzlich willkommen zum losleben.stories Podcast der Wiener Städtischen.

00:00:16: Ich bin Maya McKechneay und spreche mit Erika Heimhilcher. Erika ist Hebamme- und systemische Coachin in Wien – das heißt: Sie begleitet Frauen und Paare während der Schwangerschaft und auch danach!

00:00:28: Schön, dass du da bist Erika.

00:00:33: Ja, in Folge zwei sprechen wir über eine ganz wichtige Frage.

00:00:37: Nämlich über die Frage: Wo soll mein Kind zur Welt kommen, und wer ist dabei?

00:00:41: Welche Erwägungen sind da wichtig, Erika?

00:00:45: In erster Linie ist es mal wichtig, wie mein Schwangerschaftsverlauf ist, um

00:00:49: hier

00:00:50: eine Entscheidung treffen zu können.

00:00:52: aber natürlich: Ganz zu Beginn der Schwangerschaft weiß man das ja oftmals nicht, in welche Richtung sich das entwickelt.

00:00:58: Aber prinzipiell einfach zu schauen, in welchem Setting fühle ich mich wohl und was ist mir wichtig?

00:01:05: Ist es mir wichtig, dass es eine Neonatologie gibt, also sprich eine Intensivstation für Neugeborene und Frühchen.

00:01:14: Ist mir ein kleines, vertrautes, heimeliges Setting wichtig oder möchte ich zu Hause in meinem Umfeld gebären?

00:01:26: Und dann noch die zweite Frage: Wer wird mich begleiten?

00:01:29: Ist das mein Partner oder meine Partnerin, ein Familienmitglied vielleicht?

00:01:34: Oder eine Wahlhebamme - 

00:01:37: sind diese Dinge, die wichtig sind, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen.

00:01:44: Bleiben wir mal beim Ort.

00:01:45: Du hast als erstes genannt eine Hausgeburt.

00:01:48: Für wen kommt denn die in Frage?

00:01:50: Für Frauen mit einer unkomplizierten, physiologischen Schwangerschaft, bei denen einfach alles passt und es keine Auffälligkeiten gibt.

00:01:59: Und ganz wichtig bei einer Hausgeburt ist auch wirklich, dass es für meine Begleitperson genau so... Also dass die genau das gleiche möchte, also nicht das mal als Frau sagt okay ich möchte jetzt eine Hausgeburt haben, aber womöglich passt das für meinen Partner oder meine Partnerin nicht. Dann wird man womöglich nicht ins Loslassen gehen können.

00:02:23: Weil da wird immer etwas im Raum stehen, das ist auch immer sehr spannend bei einer Geburt zu beobachten, dass man noch so jede kleine Unstimmigkeit relativ schnell zu spüren bekommt.

00:02:36: Also ganz wichtig, dass man da wirklich auf gleich kommt mit der Begleitperson auf Gleich kommt.

00:02:41: Es ist wahrscheinlich am öftesten der Vater, der dabei ist. Kann aber auch jemand anders aus der Familie sein und da ist es eben wichtig, dass diese Person das auch unterstützt eine Hausgeburt zu machen, weil sie natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden ist.

00:02:53: Wenn's Komplikationen gibt, muss man in ein Krankenhaus wechseln.

00:02:57: Ja also Risiko... Dadurch, dass es keine Interventionen gibt bei einer Hausgeburt, verringert es das Risiko.

00:03:06: Weil jede Intervention oder ich sage immer hinter jeder Intervention steckt ja doch ein bisschen eine Komplikation.

00:03:13: Was ist eine Intervention?

00:03:14: Kannst du das kurz erklären?

00:03:15: Eine Intervention ist einen Eingriff in den Geburtsverlauf zum Beispiel eine Einleitung oder die Gabe eines zusätzlichen Wehnmittels und bei einer Hausgeburt also wirklich der ganz natürliche Verlauf.

00:03:31: Und deswegen ist das gar nicht wie oftmals so gedacht, da steckt ein Risiko dahinter.

00:03:37: Sofern alles natürlich in der Schwangerschaft in Ordnung ist eine physiologische komplikationslose Schwangersschaft darstellt.

00:03:48: Dazu muss man ja sagen, dass das früher eigentlich die Default-Einstellung war.

00:03:51: Ja es gab nur Hausgeburten.

00:03:53: deswegen gibt's ja auch so viele Geburtshäuser berühmter Personen in Wien.

00:03:57: Da war das einfach so, dass man Kinder daheim auf die Welt gebracht hat.

00:04:02: Genau und jetzt ist die Rate seit Jahren - liegt sie konstant irgendwie bei zwei Prozent in Österreich.

00:04:09: Hast du selber schon viele Hausgeburt begleitet?

00:04:12: Nein. Ich habe nie im Hausgeburts-Setting gearbeitet.

00:04:14: Ich bin immer im Krankenhaus-Setting angestellt gewesen.

00:04:20: Vielleicht wechseln wir ins Krankenhaus-Setting, da gibt es ja auch verschiedene Möglichkeiten?

00:04:25: Genau.

00:04:25: Es gibt die Möglichkeit, von einem öffentlichen Krankenhaus und einem Privatspital.

00:04:31: Der große Unterschied ist auf jeden Fall bei diesen beiden Optionen.

00:04:35: im Privatspital gibt es keine Neonatologie, also sprich eine Intensivstation für Frühchen und Neugeborene.

00:04:44: Also wieder: Wenn etwas wäre, und das Baby eine intensivere Versorgung benötigt, müsste es genauso transferiert werden, sprich einen Spital gebracht werden, wo diese Möglichkeit der Versorgung gegeben ist.

00:05:03: Ist eigentlich bei jeder Geburt eine Hebamme dabei?

00:05:05: Auch wenn ich in ein öffentliches Krankenhaus gehe?

00:05:10: Ja, laut Hebammengesetz muss bei jeder Geburt in Österreich eine Hebamme anwesend sein.

00:05:17: Kein Arzt sondern eine Hebamme!

00:05:21: Weil wir jetzt immer "die Hebamme" sagen:

00:05:23: Gibt es eigentlich auch männliche Hebammen?

00:05:25: Ja, mittlerweile gibt's auch männlichen Hebammen in Österreich.

00:05:30: Das gab es sehr lange Zeit nicht.

00:05:32: Ich hab das schon vor sehr vielen Jahren kennenlernen dürfen.

00:05:37: Während einem Praktikum in Simbabwe habe ich mit männlichen Hebammen – nennt man nämlich auch Hebamme – gearbeitet.

00:05:48: Das ist, finde ich, eine angenehme Erfrischung. Ist mal was ganz anderes.

00:05:51: Gut, aber gehen wir zurück.

00:05:52: Hebamme – da gibt es einen Unterschied zwischen einer Wahlhebamme.

00:05:56: Wie heißt das,

00:05:56: wenn es keine Wahlhebamme ist, dann ist das eine ...

00:06:00: angestellte Hebamme?

00:06:02: Kannst du kurz den Unterschied erklären?

00:06:05: Genau, Wahlhebamme ist eine Hebamme, die ich mir im Vorfeld selber aussuche.

00:06:13: Also auch Beleghebamme genannt

00:06:16: und

00:06:16: das heißt: Ich lerne sie bereits in der Schwangerschaft kennen und werde von ihr kontinuierlich betreut.

00:06:25: Der Vorteil liegt auch darin, dass bei der Geburt eine 1:1-Betreuung stattfindet.

00:06:31: Beim "normalen" - normalen unter Anführungszeichen - also im Krankenhaussetting sieht das normalerweise so aus.

00:06:37: Jede Hebamme hat einfach einen 12-Stunden-Dienst und je nachdem, wann ich komme, wechselt die Betreuung.

00:06:47: Und das ist durch viele Studien schon belegt, dass der Vorteil klar in einer kontinuierlichen 1:1-Betreuung liegt.

00:06:55: Das heißt, wenn ich keine Wahlhebamme habe, dann kann das auch sein, dass während der Geburt eine einen Schichtwechsel hat, und die, mit der ich jetzt schon Verschiedenes besprochen habe, geht.

00:07:05: Die Kollegin kommt. Es gibt wahrscheinlich schon eine Übergabe, aber ist natürlich auch eine gewisse Unruhe oder?

00:07:11: Genau,

00:07:11: also es gibt einer Übergabe natürlich, um zu wissen, wie weit die Geburt vorangeschritten ist und andere Dinge zu besprechen.

00:07:20: Aber natürlich: Manchmal bringt das wieder - ja - eine Unruhe rein, so wie du sagst.

00:07:27: Aber manchmal bringt es auch frischen Wind hinein!

00:07:31: Das kann natürlich auch sein.

00:07:33: Aber, ich würde sagen, meistens ist es schon so, dass die Frauen dann eher traurig sind, wenn man geht und sagt: "Okay, meine Schicht ist jetzt zu Ende, die nächste Kollegin kommt - und ist so: na geh, warum, wieso?"

00:07:47: Ja, das ist aus Hebammensicht auch nicht immer so einfach, dann zu gehen.

00:07:52: Wenn man aber die eigene Wahlhebamme hat, und die bleibt dann während der gesamten Geburt, die weiß ja auch schon viel von der Frau

00:07:59: während der Schwangerschaft?

00:08:01: Ja wir haben vorher besprochen eine Geburt ist immer Teamarbeit.

00:08:05: Wer hat eigentlich in diesem Team die Führung?

00:08:09: Naja - eigentlich ja niemand, weil

00:08:10: in einem Team arbeitet man ja zusammen. Aber, es ist klar ein aktiver Prozess seitens der Frau und des Kindes natürlich. Seitens der Frau dass sie die Führung im Prozess des Gebärens hat.

00:08:28: Also da ist mir auch das Wording "Gebären" und "Entbunden-Werden" sehr, sehr wichtig. Genau, dass man einfach mit dem Wort Gebären ganz klar diesen aktiven Prozess hervorhebt und auch, dass die Verantwortung bei der Frau ist.

00:08:49: Also nicht die Verantwortung wie die Geburt verlaufen wird, aber, dass es ihr Prozess ist, in den man am besten und am wenigsten von außen eingreifen sollte.

00:09:03: Es ist interessant, dass du jetzt sagst, die Frau ist eigentlich in dieser leading position, weil es gibt ja den Begriff der "hebammengeleiteten Geburt".

00:09:12: Hebammengeleitete Geburt bedeutet, der Prozess wird von Anfang bis zum Ende durch eine Hebamme geleitet. Und wenn alles in Ordnung ist, ist kein Arzt notwendig.

00:09:25: Also eigentlich: mein kleines heimeliges Setting in einem Krankenhaus.

00:09:33: Das ist mit "hebammengeleiteter Geburt" gemeint, dass einfach keine Ärztin bzw.

00:09:41: kein Arzt anwesend sind bzw.

00:09:44: hinzugezogen werden.

00:09:47: So lange es physiologisch bleibt, bitte immer!

00:09:51: Jetzt haben wir das Setting besprochen – die Teamarbeit, die Rolle der Hebamme.

00:09:55: Das sind viele Entscheidungen, die man im Vorfeld treffen muss.

00:09:59: Aus deiner Erfahrung: Stellen wir uns vor, das Baby ist da. Alle sind total erschöpft.

00:10:04: Woran merkst du: Bei dieser Geburt hat jetzt alles gepasst?

00:10:07: Da hat jetzt die Umgebung gepasst, da hat jetzt das Team und die Atmosphäre gepasst.

00:10:11: Woran spürt man das?

00:10:13: Das ist einfach ein ganz spezielles Gefühl, so wie Magic.

00:10:17: Man kann es gar nicht anders beschreiben und oftmals habe ich gehört: "Ja für dich ist das ja schon Routine ..." Aber ich muss sagen, es gab immer wieder Geburten, die mich zu Tränen gerührt haben und einfach auch noch nach diesen vielen Geburten.

00:10:31: Das ist ein ganz spezielles, unglaublich schönes Gefühl!

00:10:37: Erika, dann danke ich dir für dieses Gespräch.

00:10:40: Wir hören uns gleich wieder in Folge 3.

00:10:42: Dankeschön.

00:10:43: Und zum Schluss wie immer unsere Bitte: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann empfehlt uns auf jeden Fall weiter.

00:10:49: Hinterlasst uns ein Like und: Abonnieren nicht vergessen!

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