2.10 Bonding mit dem Baby – was passiert in den ersten Momenten?
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00:00:03:
00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zum losleben.stories Podcast der Wiener Städtischen.
00:00:16: Ich bin Maya McKechneay und spreche mit Erika Heimhilcher, Erika ist Hebamme- und systemische Coachin in Wien – das heißt, sie begleitet Frauen und Paare während der Schwangerschaft und auch danach!
00:00:28: Wir
00:00:31: haben es geschafft, wir sind bei Folge zehn angekommen und das ist eine glaube ich sehr schöne Folge wo man jetzt die Früchte der beschwerlichen Geburt einfahren kann.
00:00:43: Wir behandeln heute die Frage: Was passiert eigentlich in den ersten Momenten mit dem Baby?
00:00:48: Es ist so,
00:00:49: die haben ja einen Namen, diese ersten Momente,
00:00:51: man nennt dass die "Golden Hour".
00:00:53: Warum ist das so, Erika?
00:00:55: Ja, das ist so die erste Stunde, weil es sehr wertvoll ist und dadurch golden sein soll.
00:01:03: In dieser Stunde adaptiert sich das Baby und da ist ganz, ganz wichtig das Bonding, also der Haut-zu-Haut Kontakt, weil es stabilisiert die Körpertemperatur, das beruhigt auch die Atmung, reduzierten Stress beim Baby, ist aber auch wichtig für die Mutter durch die Oxytocin-Ausschüttung.
00:01:24: das fördert ihre Gebärmutterrückbildung, nachdem die Plazenta geboren wurde, aber auch die Milchbildung.
00:01:31: Also in der Golden Hour versucht man auch das erste Mal anlegen, aber dazu kommen wir nachher noch.
00:01:40: Ich glaube, wir müssen vor der Kür – also die Kür ist das Bonding und das Softe Sich-Kennen-Lernen
00:01:46: kurz mal die Pflicht behandeln, weil es gibt eine Untersuchung, die direkt durchgeführt wird im Kreißsaal, die heißt U1.
00:01:52: Was passiert denn da?
00:01:53: Da wird das Baby angeschaut vom medizinischen Personal.
00:01:57: Genau, wenn alles in Ordnung ist von der Hebamme da wird der APGAR
00:02:02: beurteilt, das wird nach ein fünf und zehn Minuten durchgeführt.
00:02:07: Und die Punktevergabe ist von null bis zwei Punkten.
00:02:10: Also da findet schon die erste Beurteilung statt und zwar Atmung Herzschlag Muskeltonus Reflexe und die Hautfarbe.
00:02:22: der Klassiker sind so neun zehn zehn, weil nach der ersten Minute sind sie selten ganz rosig.
00:02:29: Also genau, aber das passiert jetzt nicht, indem man bewusst das Baby von der Mutter nimmt.
00:02:35: Das bleibt dennoch bei einer Mama und das ist mehr oder weniger so ein bisschen im Vorbeigehen, dass man das macht.
00:02:41: Genau, so jetzt können wir zum Bonding kommen.
00:02:44: Das heißt das Baby.
00:02:46: Früher hat man es gebadet, das haben wir schon in der letzten Episode besprochen und das macht man heute eigentlich selten, weil es wichtig ist, dass die Temperatur erhalten wird und das Baby kommt deswegen gleich einmal an die Haut bei Vater oder bei Mutter oder bei der Partnerin, die dabei ist und wird eben gewärmt und gehalten und
00:03:02: man lernt sich kennen.
00:03:03: Genau, und kommt einmal an und genießt und bestaunt.
00:03:10: Man kanns ja auch fast nicht glauben, das ist so ... wow!
00:03:13: Und endlich nach der langen Zeit liegt das Baby auf einem und man beschnuppert sich.
00:03:20: Es ist ja ein Kennenlernen, weil man kennt ja diesen kleinen Mensch noch gar noch nicht.
00:03:26: Wie ist denn das?
00:03:27: Wie reagieren denn Eltern und ihre Babys aufeinander, wie reagieren die Babys auf die Eltern?
00:03:32: Also wie erlebst du das, wie nimmst du das wahr?
00:03:34: Es ist ganz unterschiedlich.
00:03:36: also manchmal ist es wirklich so, dass die Mütter einen kurzen Moment brauchen, da sie echt sagen okay ich möchte das wirklich halten, ich möchte es auf mir haben, es kommt auch darauf an, wie die Geburt verlaufen ist... öfters erlebe ich sehr, sehr schnellen Geburten.
00:03:52: Wo sie es noch gar nicht realisiert haben, so okay, das ist jetzt da.
00:03:56: Wow das ging jetzt sehr schnell.
00:03:58: Es ist ein kurzer Moment vielleicht der Überforderung da, aber sonst meistens will man das Baby gleich zu sich rauf nehmen, kuscheln und ja es ist so ein schau, wem schaut sie ähnlich. Ganz unterschiedlich und das gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin auch genießt und bestaunt.
00:04:24: Es ist so fast surreal, ja?
00:04:28: Zumindest habe ich das auch in Erinnerung.
00:04:31: Irgendwie war mir mein Sohn gleich vertraut.
00:04:35: Aber dennoch dachte ich so, wow!
00:04:37: Ich hab mir dich ganz anders vorgestellt.
00:04:40: Ich habe nie damit gerechnet, dass du so oder so aussiehst.
00:04:43: Ich weiß nicht wie es dir gegangen ist, aber man hat ja irgendwie so ein Bild vor Augen und dann sind sie doch ganz anders und sowieso sind sie sehr perfekt.
00:04:53: Also, ich kann mich sehr stark an den Geruch erinnern, und das ist ja auch von der Natur angelegt Babys riechen ja besonders gut.
00:05:00: Das ist ja ein wahnsinniger Geruch, man will die immer so an der Nase haben und halten.
00:05:06: Das habe ich vorher nicht gewusst und gekannt und das ist großartig.
00:05:11: Genau!
00:05:11: Und aufgrund dessen ist es auch schon wichtig, nicht zu baden, dass sie diesen Eigengeruch auch behalten.
00:05:18: Und das erlebe ich zum Beispiel im Wochenbett ganz unterschiedlich, manche wollen dann ziemlich zeitnah baden und andere sind so: nein eigentlich wir wollen diesen Geruch solange wie möglich behalten und zögern das hinaus.
00:05:35: Also es ist ja nicht notwendig.
00:05:37: Ja vielleicht sprechen wir auch noch kurz.
00:05:39: wir haben jetzt sehr intensiv die vaginale Geburt besprochen.
00:05:43: Es gibt ja natürlich auch die Möglichkeit, dass es eine Bauchgeburt ist,
00:05:46: wie du das nennst, oder wie man im Allgemeinen sagt: ein Kaiserschnitt.
00:05:50: Gibt's da einen Unterschied?
00:05:51: Jetzt ist das Baby da!
00:05:52: Die Mutter hat jetzt natürlich eine Wunde, die vernäht werden muss.
00:05:55: Wie läuft dann dieses erste Bonding ab?
00:05:59: und wie ist dann die Situation?
00:06:00: Ja, also dann ist die Situation so, dass nach der Erstuntersuchung durch eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt, weil da ist schon immer jemand kinderärztlich da.
00:06:11: das Baby dann zur Mama kommt, aber schon eher eingewickelt in Handtücher.
00:06:16: In OP-Räumlichkeiten ist es ja relativ frisch und wie jetzt schon mehrfach erwähnt, können sie die Körpertemperatur selbst nicht gut regulieren und dann bleibt das einfach eine Zeit lang bei der Mama und dann übernimmt der Partner oder die Partnerin das Bonden.
00:06:34: Und dann meistens im Aufwachzimmer, so nennt man das immer.
00:06:38: nach einer Operation ist man im Aufwachzimmer oder dann im Kreisßzimmer.
00:06:42: also dann wird es die erste Zeit nicht direkt von der Mama übernommen.
00:06:46: aber ich glaube, wichtig ist da einfach auch als Mutter zu wissen: Es liegt jetzt nicht irgendwo alleine oder so, sondern das Bonden wird von dem Partner oder der Partnerin übernommen, was ja wichtig ist und das genießen alle, dass sie dann dürfen.
00:07:06: Sonst ist ja wirklich der Mutter
00:07:08: vorbehalten.
00:07:09: In beiden Situationen wird jetzt vielleicht schon versucht zu stillen?
00:07:14: Wie erlebst du das?
00:07:15: Findet es manchmal oder oft auch schon im Kreißsaal statt, dass Mütter ihre Babys das erste Mal anlegen?
00:07:21: Ja sollte auf jeden Fall versucht werden, um quasi den Initialauslöser für das Stillen zu geben, so okay.
00:07:31: Dann wenn das Baby anfängt zu saugen, weiß auch die Brust, ich geh in Produktion.
00:07:37: Aber das ist ja noch nicht die klassische Milch, die dann getrunken wird vom Baby?
00:07:41: Es gibt ja eine Vormilch
00:07:42: genau Kolostrum.
00:07:44: Genau!
00:07:44: Und die ist besonders wichtig?
00:07:46: Genau, das ist besonders nahrhaft.
00:07:47: Das sind jetzt nicht wirklich große Mengen, aber das ist ausreichend für das Baby.
00:07:53: mehr als das benötigt es im Normalfall nicht.
00:07:56: Das erste Anlegen, das ist so unterschiedlich.
00:07:59: Manche krabbeln da hinauf und suchen sich das selbstständig, andere sind ein bisschen faul, da muss man animieren und das sind so, mmmh, wissen nicht so ganz, was sie tun sollen. Und andere sind so wie, sage ich immer, wie kleine Piranhas, schnapp und saug.
00:08:18: Es ist ganz, ganz unterschiedlich.
00:08:22: Aber wichtig zu wissen, stillen ist auch ein Prozess ja.
00:08:26: Oftmals mit dem dass man sagt stillen ist das Natürlichste der Welt, denkt man auch, es muss sofort funktionieren.
00:08:32: aber auch da Geduld haben, sich Zeit geben, gegenseitig wieder es ist ein gegenseitiges Kennenlernen.
00:08:40: es ist ein gemeinsamer Prozess.
00:08:42: also einfach dran bleiben und wenn Stillen das eigentliche Ziel ist, dann die notwendige Geduld aufbringen.
00:08:52: Aber wichtig ist wirklich in den ersten Tagen das häufige Anlegen, dass das Baby oft an der Brust saugt, dass die Milchproduktion angeregt wird.
00:09:03: Erika, wir sind ja jetzt wirklich im Finale dieses Podcasts angekommen.
00:09:08: Im Hafen, die Geburt ist gelaufen, das Baby ist da, und du hast rund 1000 Babys auf die Welt geholfen und da würde ich dich jetzt natürlich gerne fragen: gibt es irgendeine Essenz aus deiner Erfahrung?
00:09:21: Irgendeinen Rat, den du Müttern gerne geben würdest, wenn sie gerade ein Baby auf die Welt gebracht haben?
00:09:27: Die eigenen Bedürfnisse nicht zu vergessen. Und natürlich, auf die Bedürfnisse des Babys einzugehen.
00:09:33: Das ist ganz bedürfnisorientiert und das ist wichtig, das bedeutet dass man einerseits sich nicht vergessen sollte.
00:09:41: Oftmals erlebe ich, dass Frauen sagen, okay ich hab so Kopfweh, weil ich bin so verspannt. Dann geht doch zur Massage.
00:09:47: Gönn dir eine halbe Stunde Massage, vorher stillen wenn man stillt.
00:09:52: Sich ein Massagesstudio in der Nähe suchen, das lässt sich einrichten!
00:09:57: eine Wohltat.
00:09:59: oder alleine mal spazieren zu gehen, eine halbe Stunde alleine rauszugehen.
00:10:03: Zu sehen, hey okay, ich mache etwas für mich, ja und nicht immer gemeinsam!
00:10:09: Und es ist ein gegenseitiges Kennenlernen in diesem Prozess des Mutter-Seins und Mutterwerdens und man lernt die Bedürfnisse seines Kindes kennen.
00:10:21: Und das kann die ja auch recht lautstark formulieren, die eigenen Bedürfnisse, des Baby.
00:10:26: Richtig!
00:10:27: Aber nicht immer ist das negativ.
00:10:33: Das ist ja die einzige Art der Kommunikation für die oder die Möglichkeit sich zu äußern.
00:10:41: Wir sind halt so sozialisiert, dass Schreien für uns was Negatives ist.
00:10:46: Und das, was wir machen wollen, ist, es so schnell wie möglich abzudrehen.
00:10:50: Aber vielleicht sollten umgekehrt Mütter auch einfach mal laut sagen: ich brauche jetzt das.
00:10:54: Genau gesehen!
00:10:55: Ich brauche seine Schlafpause, ich brauch jetzt seinen Spaziergang
00:10:59: und
00:10:59: da muss er einmal durchatmen können.
00:11:01: Richtig!
00:11:01: Und dann kommt diese Kraft ja auch wieder zurück zum Baby?
00:11:04: Richtig und dafür ist es notwendig, die bestmögliche Unterstützung zu haben.
00:11:10: Ja, wieder auf das Thema zurückzukommen.
00:11:13: Wie kann man als Vater, als Partnerin gut unterstützen?
00:11:17: Indem man der Mutter ihre Bedürfnisse genauso ernst nimmt und wahrnimmt wie die des Kindes.
00:11:26: Ich glaube das ist ein gutes Schlusswort.
00:11:27: Erika, vielen Dank, dass du dein Wissen mit uns geteilt hast.
00:11:31: Herzlichen Dank für deine Einladung!
00:11:32: Es hat mir sehr viel Freude bereitet.
00:11:35: Und zum Schluss wie immer unsere Bitte: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann empfehlt uns auf jeden Fall weiter.
00:11:41: Hinterlasst uns ein Like. Und:
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