1.8 Money Talk in der Beziehung – muss das sein?

Shownotes

Klingt nicht romantisch. Aber: Offene Gespräche über Geld schaffen Vertrauen und machen gemeinsame Zukunftspläne erst möglich. Gut bewährt hat sich das „Drei-Konten-Modell“: zwei eigene Konten für persönliche Freiheit plus ein gemeinsames für den Haushalt. Fairness heißt dabei nicht automatisch 50/50, schließlich trägt z.B. auch unbezahlte Care-Arbeit zum gemeinsamen Haushalt bei.

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00:00:03: Losleben Stories.

00:00:07: Ein Podcast der Wiener Städtischen.

00:00:14: Herzlich willkommen zum Losleben Stories.

00:00:16: Podcast der Wiener Städtischen zum Thema Smart-Konsumieren und Sparen.

00:00:22: Mein Name ist Arndt Müller und mein Gast ist Goran Maric von Three Coins.

00:00:27: Hallo Goran, magst du kurz erzählen, was ihr macht bei Three Coins?

00:00:31: Hallo, lieber Arndt, sehr gerne.

00:00:33: Three Coins ist ein Sozialunternehmen, das seit über einem Jahrzehnt die Mission hat, Finanzkompetenz in der Gesellschaft zu stärken und zu verankern.

00:00:40: Das machen wir in der Bildungsformat unserer Strategie entwickeln.

00:00:43: Die reichen von Schulungen, Workshops, über Apps, Webseiten, alle möglichen Bildungsmaßnahmen, die unser einfallen, um lebensnah und wirkungsvoll Finanzbildung zu vermitteln.

00:00:55: Heute geht es um ein Thema, mit dem ihr bestimmt auch immer wieder konfrontiert seid, nämlich wir haben die Folge genannt, "Konto Küsse Kompromisse".

00:01:04: Wie meistern wir Geldgespräche in der Partnerschaft am besten?

00:01:09: Jetzt ist es ja so, dass ja tatsächlich Geld immer wieder noch mit Tabus belegt ist.

00:01:15: Warum ist es so wichtig, das Schweigen zu brechen, was Geldthemen angeht?

00:01:21: Geld ist das der Tabuthema schlechthin.

00:01:24: Nicht nur in der Partnerschaft, sondern in der ganzen Gesellschaft.

00:01:26: Und es hat damit zu tun, was wir denn alles mit Geld verbinden.

00:01:30: Leider kann man sagen unter Anführungsstrichen, nämlich Macht, Vertrauen, Sicherheit, gesellschaftliche Normen.

00:01:39: Da ist irrsinnig viel Druck dahinter.

00:01:42: Und diesen Druck muss man rausnehmen.

00:01:44: Und der erste Schritt, wie bei so vielen Sorgen, Problemen oder Dingen, die einen beschäftigen, ist, die nicht für sich selber zu behalten, sondern einfach mal mit jemandem zu teilen.

00:01:54: Wenn ich das Glück habe, in einer Partnerschaft zu sein, in einer schönen Liebe, dann ist ein Vertrauen schon da, was die perfekte Basis ist, um Geld zum Thema zu machen und das auch gar nicht... als negativ zu sehen, sondern einfach nur als ein weiteres Themenfeld zu dem man sich austauscht, weil hinter Geld eben weit mehr steckt als nur eine Zahl, da stecken Werte dahinter, gemeinsame Ziele dahinter, Abhängigkeiten, Unabhängigkeiten und das sind durchaus schöne Themen für eine offene Kommunikation, die auch die Beziehung stärken kann um einiges sogar und jetzt nicht nur die Beziehungsgesundheit, sondern auch die finanzielle Gesundheit damit stärkt.

00:02:32: Oder umgekehrt, wenn man über die finanzielle Gesundheit spricht, dann stärkt man damit auch die Beziehungsgesundheit.

00:02:40: Was ist denn aus deiner Sicht oder aus eurer Sicht der häufigste Fehler, den Paare machen, wenn sie anfangen, ihre Finanzen jetzt zusammenzulegen?

00:02:52: Der erste ist tendenziell, dass man sich das nicht ganz von vorne bis hinten durchgedacht hat.

00:02:58: Da gibt es entweder alles zusammenlegen oder alles getrennt und ohne wirklich ein Konzept.

00:03:03: Und in Wirklichkeit ist es ja so, dass es da einige Bereiche gibt, die sehr fluide sind.

00:03:10: Da gibt es auch mehrere Modelle, ob es ein Drei-Konten-Modell ist, ein Vier-Konten-Modell, wie auch immer.

00:03:15: Aber wichtig ist, dass man nicht sagt, okay, schnell, schnell, wir finden jetzt eine Lösung.

00:03:19: Und wir machen das jetzt einfach mal so, weil es pragmatisch und schnell geht.

00:03:22: Das hier neigt tendenziell dazu, immer den Weg des gegängsten Widerstands zu geben.

00:03:28: Muss aber nicht immer die beste Lösung sein.

00:03:30: Und wenn man gerade Ungleichheiten vermeiden will und Konflikte vermeiden will, startet man eben mit einem Gespräch und überlegt sich dann gemeinsam, was wollen wir erreichen, was macht für uns am meisten Sinn und trifft einfach keine schnell unüberlegten Entscheidungen.

00:03:45: Das heißt, die schnelle unüberlegte Entscheidung ist quasi der größte Fehler, der dann passiert.

00:03:50: Was liegt, das pickt.

00:03:51: Deswegen kann das problematisch sein.

00:03:53: Verstehe.

00:03:54: Du hast jetzt selber schon gesagt, drei oder vier Konten bei der letzten Frage.

00:03:59: Die meisten werden ja, denke ich mal, das so machen, dass sie ja mal ein gemeinsames Konto haben.

00:04:04: Macht so ein Gemeinschaftskonto Sinn oder ist es besser getrennte

00:04:08: Kassen zu haben

00:04:08: oder kann man Mischformen haben aus diesen beiden Varianten?

00:04:11: Also was ist sozusagen das Fairste und auch das für die Beziehung beste Modell?

00:04:17: Ja, man kann alle drei Konten haben.

00:04:19: Es gibt vielleicht sogar noch mehr Modelle.

00:04:21: Da gibt es auch kein Schema F. Wichtig ist es, diese regelmäßigen Geldgespräche zu machen.

00:04:26: Macht man einfach ein Money Date, das kann einmal im Monat sein, war noch immer und redet wirklich dezidiert über Geld.

00:04:32: Überlegt sich das ganz gut.

00:04:34: Und es ist auch schwierig, hier konkrete Vorschläge zu liefern, ohne die Beziehung zu verstehen.

00:04:39: Eine Beziehung hat eine eigene Dynamik mit gewissen Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten, da ist die Frage, wer leistet unbezahlte Arbeit, wer verdient mehr, wie ist die Zeiteinteilung, wie ist vielleicht die Sorgepflicht, Fürsorgepflicht etc.

00:04:54: Da gibt es viele Faktoren, die berücksichtigen sind.

00:04:56: Wenn wir sagen, was ist das gängigste Modell, das ist folgendes, die Frau hat ihr eigenes Konto.

00:05:01: Der Mann hat sein eigenes Konto und es gibt quasi ein Partnerschaftskonto, ein drittes Konto, was mehr oder minder für den Haushalt und gemeinsame Aktivitäten, gemeinsame Ausgaben, Wohnen, Leben sind, die übers Gemeinschaftskonto bezahlt werden.

00:05:14: Dann gibt es einen Anteil, den die Frau einzahlt oder eben nicht einzahlt und den Anteil, den der Mann einzahlt, in das Gemeinschaftskonto.

00:05:21: Und darüber fließen tatsächlich Ausgaben, die in der Partnerschaft zugutekommen oder einfach passieren.

00:05:27: Und alle anderen, die quasi persönliche Geldentscheidungen sind, treffen die Menschen dann quasi selber und haben entsprechend auch ein eigenes Konto.

00:05:35: und das hat jetzt mit der Ausgabenzeit zu tun, hat aber auch vielleicht mit der Investitionsseite zu tun, dass die Frau für sich selber spart und investiert, der Mann für sich selber spart und investiert.

00:05:43: und vielleicht kann man auch, wenn man das die finanziellen Mittel hat, dass das vierte Konto ein gemeinsames Investitionskonto eröffnen oder vielleicht für Kinder oder Generationen danach auch etwas angespart wird gemeinsam und nicht nur getrennt.

00:05:57: Da gibt es viele Modelle, aber wie gesagt, da ist es wichtig zu verstehen, wie ist die Situation in der wir sind, was ist wichtig zu berücksichtigen, wie ist es wirklich fair verteilt, also müssen sich beide Parteien wirklich gut und wohl damit fühlen, aber als Modell,

00:06:11: dieses Drei-Kontenmodell zumindest ist eines das sich sehr gut etabliert hat.

00:06:17: Du hast jetzt gerade das vierte Konto angesprochen und es als Investitionskonto bezeichnet.

00:06:23: Wie kann man gut ein gemeinsames Spaziel festlegen, wo eben beide Seiten, also Frau und Mann, gleich motiviert sind und sich auch niemand benachteiligt fühlt?

00:06:35: Wie macht man das am besten?

00:06:38: Bei Sparzielen, wie bei allen Zielen ist es ganz wichtig, sich mal zu überlegen, was sind dann diese Ziele, die ich habe, kurz, mittel und langfristig?

00:06:48: Und die auch zu visualisieren.

00:06:49: Visualisieren heißt auszumalen, bildlich vorzustellen.

00:06:52: Wann mag ich es hier erreichen?

00:06:53: Also wirklich sich klar darüber zu sein, wohin geht der Weg.

00:06:58: Und dann gibt es auch hier mehrere Ebenen.

00:07:00: Wenn das eine ist, ist es ein persönliches Sparziel, geht es um eine Sache, die nur ich verwenden werde, oder ist das auf der anderen Seite etwas, das der Partnerschaft zugutekommt, Dinge, die wir gemeinsam machen, zum Beispiel Urlaube, andere Erlebnisse, die gemeinsam passieren, Anschaffungen in der Wohnung.

00:07:15: Wenn das gemeinsame Sparziel das sind, dann macht es natürlich auch Sinn, gemeinsam darauf hinzusparen, in dem Rahmen der Möglichkeiten bzw.

00:07:22: so, wie es eben geht, damit das fair und gut verteilt ist.

00:07:25: Bei persönlichen Zielen, und ich glaube, es gibt dann das wenigste Konfliktpotenzial, ist es wichtig, dass, wenn ich das Ziel selber erreichen möchte, auch selber dafür arbeitet, dieses Ziel zu erreichen, wenn es quasi nur für mich ist, zum Beispiel ein neues Fahrrad

00:07:38: etc.,

00:07:39: das nur ich verwenden werde, dann macht das Sinn, das zu trennen.

00:07:42: Klarerweise kann die Partnerin immer noch entscheiden, zahle ich damit, möchte ich das, aber sollte keine Verpflichtung sein, weil das quasi getrennte oder gekoppelte Ziele sind.

00:07:51: Das heißt, Fokus auf Fairness.

00:07:53: Nicht unbedingt auf gleiche, das muss einfach fair sein.

00:07:55: Das heißt, es muss nicht unbedingt jeder das gleiche einzahlen, aber fair eingezahlt werden und ein klares Verständnis darüber, was unsere gemeinsamen Ziele sind.

00:08:03: Und darüber zu sprechen ist der erste gute Schritt.

00:08:07: Ich würde gerne nochmal Nachfragen zum Thema Fairness.

00:08:10: Nehmen wir an, wir haben jetzt die Situation, dass beispielsweise meine Partnerin doppelt so viel verdient wie ich.

00:08:17: Wie wäre es quasi fair, wenn wir beide auf ein gemeinsames Ziel meint wegen einer Wohnung oder auch nur ein Urlaub hinsparen?

00:08:26: Wie kann ich sozusagen hier die Fairness eigentlich bestimmen?

00:08:30: Ja.

00:08:31: Das ist natürlich, da müsste ich jetzt ein paar Rückfragen stellen, um die Beziehungen ein bisschen besser zu verstehen, weil jetzt nur die Aussage, dass die Frau das Doppelte verdient, wie der Mann, sagt jetzt nicht darüber, übernimmt der Mann zum Beispiel Haushaltstätigkeiten, Fürsorgearbeit, unbezahlte Arbeit, also was an der Arbeit jetzt nicht mit Geld zu tun hat

00:08:51: beim Mann landet.

00:08:52: Ich finde es wichtig, dass das auch ein Gewicht bekommt.

00:08:54: Das hat das auch mit Fairness zu tun, weil nur weil ich kein Geld nach Hause bringe, bedeutet das nicht, dass ich Sorgen trage, Verantwortung trage oder Verpflichtungen nicht annehme oder eben tragen muss, dass da quasi ein Transparenz da ist.

00:09:07: Und dann ist die Frage die Größe des Ziels, dass ich stecke, ein Urlaub ist in meinen Augen unproblematischer

00:09:13: als zum Beispiel eine Wertanlage oder eine wertschaffende Investition wie zum Beispiel eine Wohnung.

00:09:20: Da kommt es auch natürlich darauf an, was für eine Beziehung zu Bruch geht, wie wird diese Wohnung aufgeteilt, wer hat für diese Wohnung, wie viel einbezahlt.

00:09:27: Und da muss man sich anschauen, wie streng man das trennen möchte.

00:09:30: Man könnte das ökonomisch trennen und sagen, die Person, die einfach mehr einzahlt, hat einen größeren Anteil.

00:09:36: An dem Rest der Wert dieser Wohnung, je nachdem wie viel eingezahlt wurde, oder man macht eine Art Ausgleichsfaktor, wenn zum Beispiel viel unbezahlte Arbeit passiert, dann hat die auch eine Art Gleichstellung mit... einem Gegenwert, der entsprechend gegengerechnet wird.

00:09:51: Das kann man sich dann zum Beispiel auch vertraglich regeln oder irgendwo festhalten, damit er diese Fairness hergestellt wird.

00:09:57: Aber wie gesagt, das ist schwierig, da unabhängig von wie ist die Beziehungsdynamik, wie ist die Beziehung und das Unfälle im allgemeinen Situation eine pauschale Aussage zu treffen.

00:10:07: Aber ich glaube, es waren jetzt ein paar Punkte, die ein bisschen gut beleuchten, was Fairness eigentlich bedeutet.

00:10:13: Absolut.

00:10:14: Und vor allen Dingen habe ich daraus gelernt, dass eben Geld zwar ein Tabu sein mag, dass es aber bei Geldgesprächen nur zum Teil um Geld selber geht und sehr viel darum, wie man eigentlich lebt und wie man die Beziehung führt.

00:10:28: Ganz gut.

00:10:28: Das war der Losleben Stories Podcast mit Goran Maric.

00:10:32: Danke Goran, danke fürs Zuhören.

00:10:35: Hinterlasst uns gerne eine Bewertung auf den gängigen Podcast-Plattformen und abonnieren

00:10:40: nicht vergessen.

00:10:43: Losleben Stories Ein Podcast der Wiener Städtischen.

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