1.5 Impulskäufe: Soll ich oder soll ich nicht?
Shownotes
Das Belohnungszentrum unseres Gehirns lockt uns oft in teure Fallen. Um dem spontanen Kaufdrang zu entgehen, unterscheide zwischen „Brauchen“ und „Wollen“. Bei gefüllten Online-Warenkörben hilft eine bewusste Wartezeit von 24 Stunden („Screenshot-Taktik“). Am besten, du stellst dir große Sparziele konkret vor, und wägst dann ab: Sind diese attraktiver oder die kurzfristigen Kicks?
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00:00:03: Losleben Stories.
00:00:07: Ein Podcast der Wiener Städtischen.
00:00:14: Herzlich willkommen zum Losleben Stories.
00:00:16: Podcast der Wiener Städtischen zum Thema Smart konsumieren und sparen.
00:00:21: Mein Name ist Arndt Müller.
00:00:23: Zu Gast bei mir ist Goran Maric, Chef von Three Coins.
00:00:27: Hallo Goran, magst du kurz erzählen, was ihr macht?
00:00:30: Hallo lieber Arndt, sehr gerne, schön wieder hier zu sein.
00:00:34: Three Coins ist ein Sozialunternehmen, das seit über zehn Jahren besteht, mit der Vision, Finanzkompetenz an alle Menschen zu bringen.
00:00:41: Deswegen entwickeln wir Bildungsformate und Strategien, um Finanzkompetenz zu stärken.
00:00:46: Das reicht von Schulungen, Workshops, Apps, Webseiten, alles Mögliche, was uns beeinfällt, um viele Menschen wirkungsvoll zu erreichen.
00:00:54: Finanzkompetenz ist auch entscheidend bei unserem Thema, um das es heute geht, nämlich Impulskäufe.
00:01:02: Das ist ja ein Thema, was viele von uns betrifft und die Frage dahinter ist immer, brauche ich das wirklich?
00:01:10: Zum Kontext.
00:01:11: Was passiert eigentlich bei uns im Gehirn,
00:01:14: das uns zum Beispiel online so schnell auf den "Jetzt kaufen"-Button klicken lässt?
00:01:19: Ja, das ist eine... wunderschöne Ebene, die du ansprichst, nämlich was im Gehirn passiert.
00:01:25: Ganz wenige assoziieren Geld mit Psyche, mit dem eigenen Ich, mit dem was im Gehirn ausgelöst wird.
00:01:32: Aber in Wirklichkeit steckt hinter Geld genau das, nämlich vor allem zu ökonomische, teilweise psychologische Faktoren, die irrsinnlich stark beeinflussen, wie ich Geldentscheidungen treffe und wie ich mit meinem Geld umgehe.
00:01:44: Wenn es um Impulskäufe geht, Impulskauf bedeutet ja, dass ich sehr schnell und spontan und ohne viel Überlegung einen Kauf tätige.
00:01:53: Und die passieren vor allem im Online-Raum bzw.
00:01:57: dort, wo eine gewisse Reizüberflutung passiert.
00:01:59: Und wenn wir uns anschauen, was sind Gehirn, passiert, wenn ich zum Beispiel eine Online-Webseite anschaue, dann sind das einige Dinge.
00:02:06: Das erste ist eine irrsinnige Personalisierung.
00:02:09: Personalisierung bedeutet, Internetgeräte sammeln ganz viele Daten, die wissen ganz genau, wer ich bin, was mir taugt, was für ein Typ Mensch, wo ich quasi anspringe, liefert mir ein entsprechendes Angebot.
00:02:23: Und in diesem Angebot kommt viele Mechanismen dazu, wie zum Beispiel Sonderangebot, jetzt einen Rabatt sichern, nur die nächsten drei Tage.
00:02:32: Also alles, was mich ein bisschen schneller dazu bewegt, diesen Einkauf auch zu tätigen.
00:02:36: Das heißt, es entsteht an gewisser Druck und auch ein großer Vorteilsbias, weil ich glaube, wenn ich das jetzt mache, spare ich mir Geld.
00:02:43: Ich habe ein gutes Angebot.
00:02:44: Das löst im Hirn auch einiges aus.
00:02:47: Und natürlich das Belohnungszentrum.
00:02:50: Einkaufen und Konsum bzw.
00:02:52: etwas Gutes zu tun, löst bei uns Dopamin aus, das kürzfristig ausgeschüttet wird und das Belohnungssystem hier aktiviert und ganz viele Impulsekäufe haben viel mit dieser Dopamin-Ausschüttung zu tun, die leider psychologisch nur sehr kurz
00:03:08: gilt.
00:03:09: Das heißt, ich kaufe etwas, bin dann aber gar nicht so lange damit zufrieden, sondern ich habe sozusagen nur den Kick während ich es kaufe oder wenn ich es gekauft habe, ganz kurz danach, oder?
00:03:19: Verstehe ich dich da richtig?
00:03:20: Ganz genau.
00:03:22: Du hast es eben schon selber angesprochen, Belohnungszentrum.
00:03:26: Viele denken ja, ich habe mir das verdient, das gönne ich mir jetzt mal.
00:03:31: Warum ist diese Form, die ja genau eben mit dem Belohnungszentrum zu tun hat, warum ist das so oft eine Falle?
00:03:39: Ja.
00:03:40: Vorab ist es ja richtig gut, sich etwas zu gönnen, damit ich selber zufrieden bin, wenn ich etwas Gutes getan habe, wenn ich mich belohnen möchte.
00:03:49: Nicht umsonst gibt es dieses Belohnungszentrum im Hirn, weil es so funktionieren wird.
00:03:53: Und das hat auch schon seinen Grund und seine Berechtigung.
00:03:56: Es hat irgendwo auch ein bisschen was mit emotionaler Kompensation zu tun.
00:04:00: Was meine ich damit, die emotionale Grundstimmung oder Grundlage beeinflusst auch unser... Kaufverhalten.
00:04:06: Das heißt, wenn ich mich irgendwie gerade schlecht fühle, dann brauche ich im Gegenzug etwas, was mir ein gutes Gefühl liefert.
00:04:13: Und wenn ich zum Beispiel ans Einkaufen denke, was wieder mit Dopamin-Ausschüttung zu tun hat, dann kaufe ich mir dieses gute Gefühl.
00:04:19: Aber in Wirklichkeit ist meine negative Stimmung ja eigentlich trotzdem da.
00:04:22: Das heißt, wir kompensieren viel von unserer emotionalen Lage durch zum Beispiel Konsumverhalten.
00:04:29: Sich das bewusst zu machen ist schon der erste Schritt.
00:04:32: Das heißt, dass es einen Einfluss hat, wie ich und warum ich konsumiere auf meine Emotionslage, auf meine Stimmungslage und vice-versa, also umgekehrt, ist gut.
00:04:43: und vor allem dann... zu hinterfragen, naja, wie glücklich macht mich das und wie lange macht mich das glücklich und brauche ich das?
00:04:50: Mit ganz vielen Menschen, mit denen ich rede und wir werden sicherlich auch später darüber sprechen, kommen dann im Endeffekt darauf, dass ihr das im Endeffekt schon glücklich gemacht habt, aber nur ganz kurz.
00:04:59: Also es geht nicht darum, sich nicht zu belohnen.
00:05:02: Man soll sich bitte belohnen.
00:05:03: Die Frage ist nur, was ist eine richtige Belohnung?
00:05:05: und ist es jetzt dieser Impulskauf oder vielleicht auch etwas anderes?
00:05:09: was vielleicht gar nichts mit kaufen oder mit überhaupt Geld ausgeben zu tun haben kann?
00:05:13: auch, oder?
00:05:14: Absolut.
00:05:16: Was ist denn aus deiner Sicht so richtig effektiver erste Hilfe-Tipp, den ich dann, wenn ich jetzt im Geschäft stehe oder im Online-Shop, du hast ja anfangs gesagt, dass die Online-Shops besonders perfide unsere Gefühle ansprechen, wenn ich dort jetzt stehe und einkaufen will, was mache ich dann am besten, bevor ich sozusagen diesem Impuls aus meinem Inneren nachgebe?
00:05:39: Der Name der Folge ist ja fast schon Programm, nämlich "Brauche ich das wirklich?"
00:05:44: Eine Reflexionsfrage, die total viel bewirkt, ist sich einfach nur vor jedem Kauf zu fragen, brauche ich das oder will ich das gerade nur?
00:05:54: Nämlich einmal kurz eine Schritt inne zu halten und sich zu überlegen.
00:05:58: Brauche ich es oder will ich es?
00:05:59: Und viele werden in dieser Reflexionsschleife drauf kommen, dass da ganz viele Elemente oder Dinge dabei sind, die ich eigentlich nur unter Anführungsstrichen will, aber nicht unbedingt brauche.
00:06:09: Und das nimmt dann irgendwann einen Haufen an und diesen Haufen will ich eigentlich gar nicht haben, ich will den abbauen.
00:06:14: Das heißt, ein Tipp kann sein, den ich auch vielen Freundinnen und Freunden gebe, wenn ich zum Beispiel einen Geldbörsel habe, einfach einen Post-it zu haben, wo ich die Frage draufschreibe "brauchen oder wollen?"
00:06:24: und jedes Mal beim Geldbörselaufmachen lese ich das automatisch durch.
00:06:27: Vielleicht habe ich es nicht im Kopf gehabt, aber ich lese es dann im Endeffekt und frage mich das automatisch.
00:06:31: Bei Onlinehandel, da haben wir gerade letzte Woche darüber geredet, auch im Freundinnen- und Freundeskreis, mache ich eine Screenshot-Taktik.
00:06:38: Das heißt, ich habe einen Online-Shop.
00:06:40: Ich hau einmal alles in den Warenkorb, was ich gerade cool finde, was ich mir gerade leisten will.
00:06:46: Lasse die Sachen aber im Warenkorb.
00:06:47: für ein paar Stunden, so bestenfalls vierundzwanzig Stunden, nehme mein Handy, schreibe mir eine Erinnerung rein, dass ich in einem Tag, zwei Tagen, wenn auch immer ich wieder Zeit habe, wieder in den Warenkorb schaue, dann mache ich nach zwei Tagen diesen Warenkorb auf und sehe doch mal alle Gegenstände durch, die ich eigentlich haben wollte und wenn die mir immer noch ein gutes Gefühl geben und ich mir denke, ja ich will sie immer noch haben oder ich brauche das, dann kauf bitte.
00:07:11: Viele werden aber drauf kommen, na ja, nach vierundzwanzig Stunden oder dieser Abkühlphase, das kann auch länger sein, je nachdem, wie lange man sich abkühlen möchte, kommt man dann drauf, na ja, vielleicht ist der Reiz dann doch ein bisschen vergangen.
00:07:23: Die zwei Tipps wirken ganz gut.
00:07:25: Ich lasse also den ersten Impuls vorüberziehen und schau dann nach ein bis zwei Tagen, ob der Impuls wiederkommt oder genauso stark ist wie beim ersten Mal.
00:07:34: Das ist ja eigentlich ein psychologischer Trick, oder?
00:07:38: Ja, absolut.
00:07:38: Man sollte sich im Hirn vorstellen, das Hirn ist in einem gewissen Modus.
00:07:43: Und der Mensch generell tendiert immer dazu, den Weg des geringsten Widerstands zu nehmen.
00:07:48: Und jetzt ist es ein Kauf im Hirn, der Erfolgsweg zu Glück, Dopaminen, Emotionen irgendwie ausgleichen.
00:07:55: Und da passiert ganz viel automatisch.
00:07:57: Und damit nichts mehr automatisch passiert oder damit wenig automatisch passiert, ist es wichtig, eine Art Barriere einzuführen.
00:08:03: Das heißt, ich halte bewusst,
00:08:06: warte bewusst aber habe wirklich gute Selbstkontrolle und habe vielleicht auch Hilfsmittel dazu.
00:08:11: Und dann analysiere ich quasi noch einmal, ob ich das wirklich möchte oder ob es jetzt nur mein Hirn war, das auch Automatismus geschaltet hat, um mich irgendwie kurzfristig zu befriedigen.
00:08:21: Und das macht wirklich Wunder.
00:08:26: Eine Möglichkeit wäre ja auch sozusagen, um mir das immer wieder bewusst zu machen, wäre ja auch die, dass ich quasi von allen Impulskäufen, die ich dann nicht ausgeführt habe, dass ich mir aufschreibe, wie viel ich dort ausgegeben hätte.
00:08:42: Und daraus könnte ich dann meine echten langfristigen Wünsche befriedigen.
00:08:46: Hast du da ein Tipp für unsere Zuhörerinnen und Hörer, wie ich das machen kann, dass ich mir das selber bewusster machen kann?
00:08:53: Das ist eine ganz wundervolle Idee an, dass man sich einfach das quasi als, was man sich kaufen würde, dann denkt, also ich habe es mal nicht gekauft, deswegen habe ich es jetzt mehr.
00:09:03: Ist fast eine Sache, die man sich auch direkt dann im Geschäft oder im Online irgendwo runterschreiben kann.
00:09:08: Hätte ich es gekauft für dreizehn Euro, habe ich nicht, deswegen habe ich mir dreizehn Euro mehr oder minder gespart für etwas anderes.
00:09:13: Sich Sparziele zu visualisieren, wie ganz viele Ziele im Leben, ist irrsinnig wichtig.
00:09:17: Das können kleine Ziele sein, das können aber auch Großinvestitionen sein.
00:09:21: Und wenn ich mal diese Sparziele mal visualisiert habe und auch weiß, welche Summe zum Beispiel dahinter steckt, dann macht es auch viel mehr Sinn, mir zu überlegen, wie komme ich eigentlich zu diesem Ziel hin.
00:09:30: Also in Babysteps, in kleinen Schritten zu denken.
00:09:33: Und wenn ich jetzt weiß, ich will einen langen Urlaub machen, der kostet 1500 Euro, dann visualisiere ich mal diesen Urlaub mit Gefühl, mit wohin ich will, was werde ich erleben, dann ist es nicht nur eine Zahl, das nimmt dann auch quasi einen ganz anderen Spin an.
00:09:46: Und dann kann ich diese 13 Euro, die ich mir gespart habe, diesem Ziel zuordnen.
00:09:51: und dieses Ziel an quasi mehr oder minder abbauen.
00:09:53: und diese zuordnungen der hat viele positive effekte.
00:09:56: Ich habe einen Weg.
00:09:57: Ich gehe diesen weg ich gehe diese Schritte hin zu diesem Ziel und fühle mich auch motiviert darauf zu achten welche Impulse habe ich wie steuere ich die und fühle mich auch besser wenn ich kontrollieren kann.
00:10:08: aha mache jetzt bewusst nicht weil ich habe das ziel im kopf und möchte das quasi erreichen und setzt deswegen diesen schritt in diese richtung.
00:10:16: Vielen herzlichen Dank für das interessante Gespräch, lieber Goran.
00:10:19: Das war der Losleben Stories Podcast mit Goran Maric.
00:10:23: Danke fürs Zuhören.
00:10:24: Hinterlasst uns eine Bewertung auf den gängigen Podcast-Plattformen und abonnieren nicht vergessen.
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