1.4 Wie plane ich mein Budget?

Shownotes

Mit der 50-30-20-Regel (50 Prozent Fixkosten, 30 Prozent Wünsche, 20 Prozent Sparen) strukturierst du deine Finanzen. Eine Analyse per Haushaltsbuch oder App hilft dir, unnötige Kostenfresser zu entlarven und die Kontrolle zu behalten. So schaffst du dir Handlungsspielräume – oder anders ausgedrückt: Freiheit!

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00:00:03: Losleben Stories.

00:00:07: Ein Podcast der Wiener Städtischen.

00:00:14: Herzlich willkommen zum Losleben Stories.

00:00:16: Podcast der Wiener Städtischen zum Thema Smart Konsumieren und Sparen.

00:00:21: Mein Name ist Arndt Müller und mein Gast ist Goran Maric, Geschäftsführer von Three Coins.

00:00:27: Hallo Goran, magst du kurz erzählen, was ihr eigentlich macht bei Three Coins?

00:00:31: Hallo, ja, sehr gerne.

00:00:33: Three Coins ist ein Sozialunternehmen, das hat über einem Jahrzehnt Finanzkompetenz in der Gesellschaft stärkt.

00:00:38: Wie wir das machen, ist indem wir Bildungsformate und Strategien entwickeln.

00:00:42: Das können Workshops, Fortbildungen, Apps, alle möglichen.

00:00:47: wirkungsvollen und lebensnahen Formate sein, die Finanzbildung an viele Menschen tragen.

00:00:53: Heute haben wir ein Thema, was auch sehr stark mit Finanzbildung zu tun hat.

00:00:58: Es wird möglicherweise etwas komplexer.

00:01:01: Wir beschäftigen uns nämlich heute mit der Budgetplanung für Einsteiger.

00:01:06: Und da wird eben oft empfohlen, dass ich mein eigenes Budget, was ich so zur Verfügung habe, dass ich das plane nach der fünfzig, dreißig, zwanzig Regel.

00:01:17: Was ist das für eine Regel und wie funktioniert die genau und was kann ich damit eigentlich genau managen?

00:01:23: Schön, dass wir im Thema angekommen sind, Budgetplanung, denken sich die meisten.

00:01:27: Fad, total mühsam, irrsinnig zach.

00:01:30: ist es gar nicht.

00:01:31: Und diejenigen, die in der letzten Folge reingehört haben, da haben wir schon über den Apfelbaum geredet.

00:01:36: Bei der Fünfzig, dreißig, zwanzig Regel bleibe ich im Garten, nämlich beim Gartenschlauch.

00:01:41: Es macht einen riesen Unterschied, ob ich diesen Schlauch nehme und einfach nur wild in diesem Garten rumsprüh oder ob ich sehr gezielt die Wurzeln quasi gieße und ein bisschen die Blumen und vielleicht ein bisschen was in einen Tank gebe und die

00:01:54: Fünfzig, dreißig, zwanzig Regel ist eine sehr einfache Einteilung, wie ich denn mein Einkommen in gewisse große Sektoren einteilen kann und die sagt aus, dass Fünfzig Prozent meines verfügbaren Einkommens für Dinge bestimmt sind, die ich brauche, sogenannte Fixkosten, Verträge, die ich zum Leben brauche, Lebensmittel, Gewand, all das, was man sich quasi so als Leben vorstellt.

00:02:18: 30 Prozent ist für Wünschen reserviert, also Dinge, die ich mir einfach leisten will, die ich nicht unbedingt brauche.

00:02:25: Das können Konsumgüter sein, Luxusgüter, wie auch immer.

00:02:28: Und zwanzig Prozent, und das ist wichtig, dass es hier mitbedacht ist, ist quasi mein Tank, mein Wassertank, wo ich spare, wo ich investiere, um mir über Jahre ein Vermögen aufzubauen für Investitionen, für ein längeres Leben.

00:02:43: Also nichts anderes als eine Daumenregel, um mir einfach mein Budget.

00:02:49: Das

00:02:49: heißt also nochmal zusammengefasst.

00:02:51: Fünfzig Prozent sind Fixkosten.

00:02:52: Das heißt das was ich auf jeden Fall jedes Monat brauche.

00:02:56: dann dreißig Prozent sind Wünsche, das heißt beispielsweise Hobbys reisen und so weiter und zwanzig Prozent sparen.

00:03:03: Jetzt ist es ja so oder kann es so sein, die Regel ist ja sehr, sehr einfach.

00:03:07: Das heißt, ich beginne jetzt nach dieser Regel, mein eigenes persönliches Budget zu erstellen.

00:03:13: Aber nach einem Monat sehe ich, das passt wirklich überhaupt nicht.

00:03:17: Was ist die Ursache dafür?

00:03:20: Das hat mehrere Gründer.

00:03:22: mag aber gleich eins vorweg sagen, ist absolut normal, wenn ich mich zum allerersten Mal mit einem Budget beschäftigt habe, kann es sein, dass ich unrealistisch bin, dass ich ein bisschen vielleicht kein Gefühl dafür habe und ein bisschen zu streng bin oder zu einfach.

00:03:36: und dann merke ich, ich bin überhaupt nicht in diesem Rahmen, das wird zu Frust, das wird vielleicht zu Abbruch, das sollte man ganz schnell wegwischen.

00:03:44: Weil die Fünfzig, dreißig, zwanzig Regel tatsächlich eine Orientierung geben soll und nicht unbedingt den Dogma, an das ich mich halten muss.

00:03:50: Man muss auch ein bisschen in die Lebensrealität rein denken.

00:03:53: Es gibt viele, viele Haushalte und viele Menschen in Österreich, die weit mehr als fünfzig Prozent des Budgets brauchen, sich zum Beispiel in der Wohnung zu leisten, sich das Leben zu leisten, soll aber einfach eine Orientierung sein.

00:04:06: Das heißt, wenn ich mir mal diese Budgetaufstellung gemacht habe und in diesen Kategorien denke, macht das Sinn, nach einem Monat zu schauen, vielleicht brauche ich mehr Details, vielleicht muss ich mir mehr anschauen, woher kommen eigentlich diese Kosten und dann auch diese fünfzig, dreißig, zwanzig Regel für mich als meine Regel zu etablieren, die kann dann anders auch schon, die kann fünfzig, fünfzig, fünfzig sein, wie auch immer.

00:04:27: Diese Anpassung vorzunehmen soll einfach mal vor allem die Einladung sein, sich mit dem Budget zu beschäftigen und auch in diese Kategorien einzuteilen, dass ich mal sehe, was brauche ich, was will ich und spare ich oder investiere ich überhaupt.

00:04:39: Und das ist schon ein erster guter Schritt und revidieren kann man immer.

00:04:43: auch, aber starten muss man.

00:04:45: Okay, das heißt also, wenn ich dich richtig verstehe, ich beginne eigentlich damit, ich schaue mir mein Bankkonto an und sehe, was geht eigentlich monatlich an Kosten raus und wofür.

00:04:55: So muss ich eigentlich beginnen, oder?

00:04:57: Richtig.

00:04:58: Das ist der erste Schritt auch das einfachste, weil es ist sehr übersichtlich.

00:05:01: Ich kann in ein Monat oder mehrere Monate hernehmen und da kommen ja ein paar Zahlungen immer wieder und die kann man einordnen.

00:05:07: Mittlerweile ganz viele Apps kategorisieren auch schon automatisch, weil sie erkennen, gerade wenn ich mit Karte zahle zum Beispiel, kommt deine Kategorisierung fast automatisch, aber da ist es einfach nur zu sehen.

00:05:19: Bei vielen, die sich zum ersten Mal damit beschäftigen, immer ein großer Aha-Moment ist, ist dann zu sehen, wie viel Geld sie eigentlich für Dinge ausgeben, für die sie gar nicht unbedingt Geld ausgeben möchten.

00:05:31: Und dass das ein großer Batzen ist und dann steigt die Motivation diesen Batzen an quasi nicht unbedingt notwendig ausgegebenen Geld zu reduzieren, weil ich dann mehr Geld habe für Urlaube, für Spanen, für Investieren, für wie auch immer.

00:05:44: Und da sind viele Aha-Momente dabei, also ein sicherlich guter erster Schritt an, einfach mal mit dem Bankkonto und der Monatsauszug zu starten und zu sehen, wofür gebe ich mein Geld aus und vor allem die Frage zu stellen, warum mache ich das?

00:05:56: Jetzt bin ich natürlich gespannt, was für Ausgaben hast du da gemeint, wo viele sich fragen, okay, das hätten sie jetzt eigentlich doch nicht kaufen sollen.

00:06:04: Das können gewisse Impulsekäufe an den gewesen sein, das fünfte Paar Schuhe bzw.

00:06:10: vielleicht der fünfte Coffee to go in einer Woche oder auch Abendessen.

00:06:15: Es geht auch gar nicht darum, irgendwie soziale Teilhabe zu reduzieren, sondern einfach nur die Häufigkeit und Regelmäßigkeit zu sehen und dann sich zu überlegen, na gut, muss ich wirklich dreimal die Woche essen gehen oder kann ich auch Freunden und Freunde treffen, gemeinsam kochen und zu Hause bleiben.

00:06:28: Das macht schon einen großen Unterschied.

00:06:30: und auch bei kleineren Beträgen gerade so Coffee to go.

00:06:33: oder irgendwie ein Frühstück, sich noch mitzunehmen oder zu schnappen beim Bäcker, das läppert sich dann auch über mehrere Wochen und Monate.

00:06:41: Und klar, wenn ich weiß, ich kann dieses Geld, weil ich es ja nicht ausgeben muss, für etwas anderes einsetzen und habe da mehr Motivation und Energie dafür und bin dann auch klar, dass das geht, dann ist die Motivation auch stärker, das zu machen.

00:06:54: Ganz kurz noch dazu, wie man es jetzt konkret macht.

00:06:57: Also ich öffne jetzt beispielsweise meine Banking App und dann schreibe ich mir das alles auf die Ausgaben.

00:07:02: oder wie tue ich da am einfachsten?

00:07:05: Ach, da kommt es ganz drauf an, was für ein Typ Mensch man ist.

00:07:08: Es gibt welche, die arbeiten gerne mit Apps zusammen, andere, die sich vielleicht sogar eine Excel-Tabelle machen, kenne jetzt nicht unbedingt viele, die das quasi von sich selber in Tabellenform bringen oder einfach nur ein Notizbuch hernehmen und wirklich Ausgabe für Ausgabe durchzugehen und sich aufzuschreiben, die Summe brauchen wollen, müssen Investitionen oder wie auch immer die quasi zu kategorisieren, um einfach ein Gefühl und einen Überblick zu bekommen, wie schaut es eigentlich mit meinen persönlichen Finanzen

00:07:34: aus? Die spiegeln ja nichts anderes als mein eigenes Leben wider.

00:07:39: Und dann auch zu überlegen und zu reflektieren, ist das wirklich so das Leben, das ich lebe oder so wie ich bin?

00:07:44: Und es spiegelt sich das auch in meinen Finanzen wieder.

00:07:46: Aber wichtig ist einfach, es hört sich mühsam an, es hört sich wirklich zach an, aber sobald man es sich einmal hingesetzt hat.

00:07:52: und das dauert auch gar nicht so lange, dann hat man ein richtig gutes Gefühl danach.

00:07:57: Wenn man das Gefühl hat, man hat mehr Kontrolle, man hat mehr Übersicht, man fühlt sich einfach besser und stressfreier dadurch und tut was für sich selber, also definitiv lohnenswert.

00:08:06: Du hast jetzt gerade selber das Wort Kontrolle verwendet.

00:08:10: Was ist denn eigentlich, wenn die Fixkosten unkontrolliert gewachsen sind?

00:08:14: Wenn sie also nicht bei fünfzig, sondern bei fünfundsechzig oder sogar siebzig Prozent liegen, kann man da überhaupt was dran machen?

00:08:22: Da ist das Wichtigste, man kann in fast jeder Situation etwas tun.

00:08:27: Die Frage ist natürlich immer, in welche Situation stecke ich denn gerade?

00:08:31: Ich mag nicht ausblenden, dass wir in Österreich, 1,3 Millionen Menschen haben, die armutsgefährdet und armutsbetroffen sind, die quasi mit sehr, sehr wenig Einkommen auskommen müssen.

00:08:43: Und da ist es wirklich schwierig, große Veränderungen gerade bei den Fixkosten zu machen, weil ich mir nicht aussuchen kann, dass ich ein Dach über den Kopf brauche, dass ich Strom bezahlen muss, dass ich Warmwasser benötige.

00:08:54: Das ist für ein Leben, das nicht in Armut ist, normal in Österreich und frisst automatisch auch wirklich einen großen Betrag.

00:09:03: Und die darf man nicht ausblenden, da muss auch die öffentliche Hand in der Stadt gefordert sein, Zahlungen, Transferzahlungen zu leisten, die sozial absichern.

00:09:12: Und es ist tatsächlich so von allen diesen drei Kategorien, also den den fünfzig, den dreißig und den zwanzig sind die Fixkosten jene, die am starrsten sind. Wieso?

00:09:21: Weil das große Faktoren sind die ich wenig beeinflussen kann.

00:09:24: Ich kann jetzt beim Stromverbrauch klarerweise ein paar Änderungen machen aber welche eine Familie habe der einen gewissen Stromverbrauch hat dann kann ich mal höchstens den Anbieter neu auswählen und da auf ein paar Cent Unterschiede im Preis schauen.

00:09:36: Genauso bei der Wohnsituation.

00:09:38: Es gibt gewisse Limits aber ich muss mir diese Limits auch mal durchsehen.

00:09:42: Wenn ich merke, ich lebe zum Beispiel in einer Wohnung, die zu groß für mein verfügbares Einkommen oder wie viel Geld ich gerade zu verfügen habe, habe, dann gibt es natürlich die Möglichkeit, umzuziehen, eine kleinere Wohnung zu suchen.

00:09:55: Diesen Standart

00:09:56: bisschen zu reduzieren, weil ich gerade muss und weil ich sonst quasi nicht ausgeht, ist klarerweise eine sehr unkomfortable und auch große Entscheidung, aber wenn sie sein muss, dann muss sie nun mal sein.

00:10:07: Genauso wie bei anderen Verträgen, zu den Fixkosten zählen ja auch alle möglichen Streaming-Apos, Abonnements.

00:10:14: Zusatzversicherungen, die ich abgeschlossen habe und da macht natürlich auch Sinn über zu überlegen, brauche ich jetzt das vierte Streaming-Abo und kann ich welche abstellen, also welche Verträge kann ich wirklich kürzen, das senkt auch die Fixkosten.

00:10:26: Also es gibt eine Bandbreite von großen Entscheidungen, die ich immer mal treffen muss, wenn es sich wirklich nicht ausgeht, bis hin zu kleinen, wo ich auch in Verträgen sitze.

00:10:33: und bei den kleinen ist die Flexibilität größer, die kann ich schneller anpassen, sollte ich auch regelmäßig machen.

00:10:39: Bei den großen muss ich es mal überlegen.

00:10:42: Das ist aber ein anderes Thema.

00:10:43: Klar, wenn ich dann merke, ich komme wirklich vorne und hinten nicht zusammen.

00:10:47: Mir überlegen, arbeite ich, will ich arbeiten, wo arbeite ich?

00:10:51: Gibt es vielleicht eine Branche, Umschulung, Fortbildung, wo ich mehr Einkommen habe?

00:10:56: Weil die eigentliche Veränderung, die ich dann erzeugen muss oder kann, wenn die Fixkosten zu hoch sind, ist die Einnahmenseite.

00:11:03: Und die ist noch einmal starrer, noch einmal eine... größere und also nicht so komfortabel.

00:11:09: Aber auch da ist vieles möglich.

00:11:10: Das kann der Job sein.

00:11:11: Das können Nebenjobs sein.

00:11:12: Das können Flohmärkte sein.

00:11:14: Also auch da gibt es viel Handhabe.

00:11:16: Wichtig ist für mich nur, wenn man jetzt nicht in einer Problemsituation lebt, in der man wirklich Unterstützung braucht, dass alle anderen sehr wohl sehr viel Handhabe und Selbstbestimmung haben, wenn sie mal erkennen, in welche Richtung will ich und was muss ich tun oder wie kann ich es tun.

00:11:34: Und da ist der erste Schritt immer, sich mal damit zu beschäftigen und dann zu sehen, dann eröffnen sich die Wege so oder so.

00:11:41: Das war ein wunderbares Schlusswort.

00:11:43: Ganz herzlichen Dank, lieber Goran.

00:11:45: Das war der Losleben Stories Podcast mit Goran Maric.

00:11:49: Danke fürs Zuhören.

00:11:50: Hinterlasst uns eine Bewertung auf den gängigen Podcast-Plattformen und abonnieren nicht vergessen.

00:11:57: Losleben

00:11:58: Stories

00:12:01: Ein Podcast der Wiener Städtischen.

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